Der knapp geschlagene Kandidat der rechten FPÖ, Norbert Hofer, stellt den rechtmäßigen Ablauf der Bundespräsidentenwahl in Österreich nicht infrage. Es gebe keine Anzeichen für einen Wahlbetrug, sagte der 45-Jährige vor Beginn eines Treffens des FPÖ-Bundesparteivorstands in Wien.

Hofer hatte bei der Stichwahl am Sonntag nur 31.026 Stimmen weniger als der frühere Grünen-Chef Alexander Van der Bellen erhalten. Der Wirtschaftswissenschaftler hatte erst nach Auszählung der Briefwahlstimmen schließlich mit 50,3 Prozent die Wahl für sich entschieden. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl hatte vor dem Treffen angekündigt, dass die FPÖ auch die Frage einer Wahlanfechtung prüfen werde. Dazu müsse es aber konkrete Hinweise über Fehler bei der Auszählung geben.

Der unterlegene Rechtspopulist Hofer rief die Österreicher auf, das Ergebnis zu akzeptieren und nicht zu streiten. Im Internet habe es teils heftige Bürgerreaktionen gegeben. "Aber alle sollen zusammenhalten", sagte Hofer. Er hoffe, "dass Ruhe einkehrt".

Spekulationen, wonach er nach dem Rekordergebnis für die FPÖ von 49,7 Prozent selbst Spitzenkandidat der Partei bei den nächsten Parlamentswahlen werden könne, erteilte er eine Absage. Zwischen ihm und Parteichef Heinz-Christian Strache passe kein Blatt Papier.

Der künftige österreichische Bundespräsident Van der Bellen hatte derweil in seiner ersten Rede seinen Respekt für den "sehr engagierten Wahlkampf" seines Kontrahenten Hofer ausgedrückt – ein erster Versuch, dessen Anhänger zu umarmen. "Es sind zwei Hälften, die Österreich ausmachen. Die eine Hälfte ist so wichtig wie die andere", versuchte er, eine Brücke zu schlagen. Van der Bellen hatte nach Verkündung seines Siegs seine Parteimitgliedschaft ruhend gestellt. Mit diesem Schritt wolle er seine Absicht unterstreichen, Präsident für alle sein zu wollen, sagte er. Der Regierung wolle er auf die Finger schauen, damit sie mehr konkrete Themen angehe und sich der Sorgen der Menschen annehme.