Erstmals nach der Veröffentlichung der Panama Papers hat sich der verantwortliche Whistleblower zu Wort gemeldet. Die anonyme Quelle nennt sich "John Doe". In einer Art Manifest in der Süddeutschen Zeitung (SZ) erklärt er seine Motive und rechnet mit der Gesellschaft ab. Die von ihm angestoßenen Veröffentlichungen zeigten: Politik, Justiz und Medien hätten jahrelang versagt, der "ethische Niedergang" der Gesellschaft sei die Folge. Er ruft die Verantwortlichen zum Handeln auf.

"John Doe" hatte der SZ Informationen über etwa 200.000 von der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca gegründete Briefkastenfirmen zugespielt. Wie die Quelle an die 2,6 Terabyte an vertraulichen Daten der Kanzlei gelangt ist, ist weiter unklar. Die Zeitung wertete die Daten unter anderem zusammen mit dem Internationalen Konsortium für Investigativen Journalismus (ICIJ) aus. Die Veröffentlichung der Panama Papers vor etwa einem Monat führte zu Ermittlungen auf der ganzen Welt und einer internationalen Debatte über Steueroasen und Geldwäsche.

Der Whistleblower schreibt, dass er weder für eine Regierung noch einen Geheimdienst arbeite. Die von ihm geleakten Dokumente würden auf Betrug und Korruption in großem Stil hinweisen. Er habe sie veröffentlicht, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Damit meint er vor allem die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die systematisch vorsätzlich gegen Gesetze verstoßen habe. Auch wenn Briefkastenfirmen nicht immer illegal seien, dienten sie häufig dazu, Verbrechen zu begehen, schrieb er.

Angesichts der internationalen Debatte über Steuerpolitik stellt John Doe einige Forderungen auf. So bedürfe es einem Rechtsschutz für Whistleblower. Weil es den nicht gebe, habe er auf die Journalisten der SZ zugehen müssen. Er wäre bereit, im Rahmen seiner Möglichkeiten selbst mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Zudem forderte er eine transparentere Politik. Die EU solle die Firmenregister jedes ihrer Mitgliedstaaten offenlegen, Großbritannien das Bankgeheimnis in Überseegebieten abschaffen und die USA sollten ihr Wahlkampfsystem reformieren, das Steuerhinterziehung begünstige.

"Fünfzig Jahre lang haben Exekutive, Legislative und Judikative weltweit im Umgang mit Steueroasen, die sich wie Metastasen auf dem Globus ausbreiten, kläglich versagt", schreibt der Whistleblower. Politiker und Richter hätten – ermöglicht von korrupten und verantwortungslosen Anwälten – die Reichen verschont, während finanziell schlecht gestellte Medien nicht ernsthaft darüber berichteten. John Doe habe auch anderen Medienanstalten seine Dokumente angeboten, doch nur die SZ habe sich zur Veröffentlichung entschlossen.

Der Whistleblower prognostiziert einen Niedergang der Gesellschaft, die zwar Kapitalismus genannt werde, aber "in Wahrheit ökonomisches Sklaventum ist". Bisher hätte sich die Berichterstattung auf die Kanzlei Mossack Fonseca und deren "schmutzige Machenschaften" fokussiert. Der Whistleblower schreibt: "Es wird Jahre, vielleicht Jahrzehnte dauern, bis alles ans Licht gekommen ist."