Der künftige philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat die katholische Kirche als "scheinheiligste Institution des Landes" bezeichnet und die Bischöfe seines Landes als "Hurensöhne" beschimpft. Bei einer Pressekonferenz am Sonntag sagte Duterte, die Bischöfe hätten ihn und andere Politiker um unlautere Gefälligkeiten gebeten. Zudem hielten sich mehrere Kirchenmänner nicht an das Zölibat. Duterte hatte die Präsidentschaftswahlen auf den Philippinen am 9. Mai mit großem Vorsprung gewonnen, obwohl sich einflussreiche Bischöfe in dem überwiegend katholischen Land gegen ihn ausgesprochen hatten.

Duterte, bislang amtierender Bürgermeister der Großstadt Davao im Süden der Philippinen, hatte bereits im Dezember für Aufsehen gesorgt, nachdem er den Papst als "Hurensohn" beschimpft hatte. Duterte inszeniert sich als Politiker der harten Hand und ist berüchtigt für seine ausschweifenden Reden, obszöne Sprache und sexistischen Witze. Als Präsident werde er die Todesstrafe wieder einführen und Zehntausende Kriminelle gezielt töten lassen, hatte Duterte schon im Wahlkampf angekündigt. 

Die katholische Kirche kommentierte Dutertes Vorwürfe von Sonntag zunächst nicht. Kirchenoffizielle hatten den künftigen Präsidenten in den vergangenen Monaten für dessen vulgäre Äußerungen deutlich kritisiert und sich gegen die Wiedereinführung der Todesstrafe ausgesprochen. 80 Prozent der Bevölkerung in den Philippinen sind katholisch, das Land gilt als Bastion der Kirche Roms in Asien. Dass Duterte die Präsidentschaftswahlen gegen die ausdrückliche Empfehlung hoher Kirchenvertreter gewonnen hatte, wertete der Politiker als "Volksbegehren" gegen die Kirche.

Zuletzt hatte Duterte im April mit der Äußerung für Aufsehen gesorgt, er wäre gerne "der erste in der Reihe" gewesen, als Insassen eines Gefängnisses in seiner Heimatstadt Davao 1989 eine australische Missionarin vergewaltigten und anschließend ermordeten. Er habe lediglich einen Witz gemacht, sagte Duterte später. Die australische Regierung beschwerte sich bei der philippinischen Regierung und nannte die Äußerung inakzeptabel. 

Duterte sagt von sich, er glaube an Gott, aber nicht an Religion. Bis zu seiner Vereidigung am 30. Juni werde er sich bemühen, "die Sünden der katholischen Kirche" weiter aufzudecken.