Die aserbaidschanische Journalistin Chadidscha Ismailowa kommt frei. Das Oberste Gericht des Landes habe ihre Verurteilung zu siebeneinhalb Jahren umgewandelt in eine dreieinhalbjährige Bewährungsstrafe, sagte ihr Anwalt Faris Namasli. Er gehe davon aus, dass Ismailowa bald das Gefängnis verlassen könne.

Die 39 Jahre alte Journalistin war im vergangenen September wegen "wirtschaftlicher Delikte, darunter illegales Unternehmertum und Steuerhinterziehung" verurteilt worden. Ihre Berichte sollen einen Mann in den Selbstmord getrieben haben. 

Ismailowa selbst sieht sich politisch verfolgt. Sie ist die bekannteste Investigativjournalistin im autoritär regierten Aserbaidschan und prangert unter anderem die von Präsident Ilham Alijew und seiner Familie angehäuften Reichtümer an. Von 2008 bis 2010 leitete Ismailowa das Büro des US-finanzierten Senders Radio Free Europe in Baku.

Hoffnungen auf demokratische Reformen in der ehemaligen Sowjetrepublik haben sich weiterhin nicht erfüllt. Beobachter werten die Freilassung als demonstrativen Schritt vor dem ersten Formel-1-Rennen in der Hauptstadt Baku am 19. Juni.

Menschenrechtsorganisationen hatten die Verurteilung Ismailowas kritisiert und die Behörden aufgerufen, sie wieder freizulassen. Die Journalistin erhielt unter anderem den diesjährigen Preis für Pressefreiheit der Unesco. "Wir freuen uns mit Chadidscha Ismailowa über ihre Freilassung, aber dieses Urteil kann nur ein erster Schritt zu ihrer Rehabilitierung sein", sagte der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, nach Bekanntwerden der Haftreduzierung. "Chadidscha Ismailowa hätte keinen einzigen Tag hinter Gittern verbringen dürfen."