Das Mikro funktioniert nicht. Für Frank-Walter Steinmeier kein Problem. "Dann machen wir das halt anders", röhrt der Außenminister, lässt das Stehpult stehen, platziert sich raumgreifend in der Mitte einer Holzbaracke, die als Bar dient und wendet sich donnernd an die rund 100 versammelten Soldaten. Jean-Marc Ayrault huscht seinem deutschen Amtskollegen flink hinterher.

Ist ja alles schön und gut, scheint der französische Außenminister in diesem Moment zu denken, alles prima mit dieser deutsch-französischen Sonderbeziehung, der viel beschworenen Freundschaft. Aber nicht, dass die Deutschen uns Franzosen am Ende noch überholen. Nicht hier in Westafrika, nicht in unserer ehemaligen Kolonie, nicht in Mali.

Steinmeier und Ayrault sind gemeinsam nach Gao im umkämpften Norden Malis geflogen, wo deutsche und französische Soldaten in unterschiedlichen Missionen im Einsatz sind. Die Franzosen bekämpfen den Terror und die Deutschen sichern den Frieden – auf diese Formel lassen sich die Ziele zuspitzen. In seiner Rede an die Soldaten, deutsche wie französische, betont Steinmeier, wie wichtig beide Einsätze sind – nicht nur für Mali. "Nur wenn es gelingt, Mali zu stabilisieren, kann es auch gelingen, die gesamte Region zu befrieden." An anderer Stelle wird Ayrault diesen Gedanken aufgreifen und eine Umdrehung weiterspinnen.

"Die Stabilität der gesamten Sahelzone ist bedroht – und damit die Stabilität Europas." Ayrault und Steinmeier geht es bei dieser Reise also nicht nur um eine Krisenregion in der Ferne – es geht auch um die Lage zu Hause. Es geht auch um Terroranschläge und Flüchtlingswellen in Europa. Und deshalb reisen die beiden auch nicht nur nach Mali, sondern auch nach Niger.   

Franzosen zählen bisher 15 Tote, die Deutschen keinen

Im globalen Krisengeflecht aus islamistischer Bedrohung und Flüchtlingswanderung gehören die bitterarmen Länder Mali und Niger zu den Hotspots. Nach dem staatlichen Zerfall Libyens haben sich radikal-islamische Kräfte, darunter Untergruppierungen von Al-Kaida, im Norden Malis festgesetzt. Vom Süden aus sickern Kräfte von Boko Haram, den Fundamentalislamisten aus Nigeria, ins Land. Im benachbarten Niger ist Boko Haram deutlich stärker als Al-Kaida. Beide Gruppen wollen sich großflächig in der Sahelzone ausbreiten. Mali wie Niger sind für Flüchtlinge sowohl Ursprungs- als auch Transitländer, Mali mehr Erstes, Niger vor allem Letztes.

Wer den Terrorismus bekämpfen und die Flüchtlingszahlen eindämmen will, kommt an Mali und Niger nicht vorbei. Also sind Steinmeier und Ayrault hingeflogen.

Leuchtend roter Sandboden, ein Meer aus braunen Zelten und jede Menge gepanzerte Fahrzeuge unter glühend heißer Sonne – das ist Camp Barkhane, die Basis der französischen Kampfeinheiten bei Gao. 49 Grad im Schatten zeigt das Thermometer, als Steinmeier und Ayrault zu Beginn ihres Besuches mit einer Zeremonie der Gefallenen gedenken. Die Franzosen zählen bisher 15 Todesopfer, die Deutschen keins. Das könnte sich ab dem Sommer ändern, wenn die Deutschen mehr machen müssen als bisher Camp Casto zu schützen, das Feldlager, in dem internationale Truppen untergebracht sind, darunter sie selbst. Camp Castor liegt von Camp Barkhane genau eine Flugplatzlandebahn entfernt.