Im Moment seines Triumphs – er hatte die Vorwahl in Indiana gewonnen, sein ärgster Konkurrent Ted Cruz gerade hingeschmissen – verschwendete Donald Trump nicht viel Zeit. Als er am Dienstagabend in der Lobby seines protzigen Wolkenkratzers an der Fifth Avenue in Manhattan vor seine jubelnden Anhänger trat, hatte er die Gedanken an innerparteiliche Rivalitäten und Grabenkämpfe bereits hinter sich gelassen und umgeschaltet. Nun gab er sich die größte Mühe, wie der künftige US-Präsident zu reden und zu wirken.

Seinen Konkurrenten aus Texas würdigte er als "zähen, smarten Mann". Er plauderte über ein Amerika, das wieder lernen müsse, zu siegen. Er wiederholte auch seine Wahlkampfslogans, laut dem man dem IS in den Hintern treten und die Grenzen Amerikas sichern müsse. Überhaupt müsse das Land zu seiner vergangenen Größe zurückfinden, eine mythische Größe, die durch Trumps Fantasie wabert.

Solche Reden wird man in den kommenden Wochen und Monaten noch viel zu hören bekommen: Nach der Vorwahl in Indiana steht Donald Trump als Präsidentschaftskandidat der republikanischen Partei praktisch fest. Cruz war der einzige Rivale, der ihn zumindest hypothetisch noch zu stoppen vermocht hätte.

Die realistischeren unter den amerikanischen Polit-Beobachtern hatten die Nominierung Donald Trumps bereits vor der Wahl von Indiana als unausweichlich angesehen. Der TV Sender CNN nannte Trump nach seiner Siegesserie im Nordosten in den Vorwochen einen "runaway train" – einen Zug, der nicht mehr zu stoppen ist. Das US-Magazin Atlantic postulierte Trumps Nominierung schon zum Wochenbeginn als Fakt. Der Hinweis der LA Times, dass doch noch ein Monat an Vorwahlen übrig sei, wirkte wie eine Durchhalteparole all derer, für die eine Trump-Nominierung noch immer ein unvorstellbares Szenario ist.

Natürlich ist es rein technisch immer noch möglich, dass Trump beim Wahlkonvent in Cleveland im Juli nicht zum republikanischen Bewerber um die US Präsidentschaft gekürt wird. Noch hat er nicht die nötige Anzahl von 1.237 Delegierten hinter sich. Allerdings wird erwartet, dass Trump diese magische Zahl am 7. Juni, dem letzten großen Wahltermin der Grand Old Party, überschreitet. An diesem Tag werden 303 Delegierte in fünf Staaten bestimmt, die Mehrheit davon in Kalifornien. Dem letzten verbleibenden Herausforderer, John Kasich, wird jedoch nicht mehr zugetraut, Trump noch ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Kasich hat nach Indiana ganze 162 Delegiertenstimmen gegenüber den 1.044 von Trump.

Kasich ist nur noch aus einem einzigen Grund im Rennen: Er soll irgendwie verhindern, dass Trump die notwendige Zahl von 1.237 Delegierten zusammenbekommt. "Es ist an uns, Trump zu stoppen", schrieb er auf Facebook. Ohne Cruz allerdings, mit dem Kasich in den vergangenen Wochen eine lose Anti-Trump-Allianz geschlossen hatte, wird das extrem schwer. Spätestens beim Wahlkonvent in Cleveland könnte es dann zum Showdown kommen. Sollte Trump bis dahin nicht die erforderliche Mehrheit beisammen haben, erlauben die Statuten der Partei den Delegierten, sich nach dem ersten Wahlgang einem anderen Kandidaten zuzuwenden. Es wird dann so lange immer wieder neu abgestimmt, bis einer der Kandidaten auf 1.237 kommt. Im Fall mehrerer Wahlgänge kann sogar ein komplett neuer Kandidat ins Spiel gebracht werden.

Desolater Zustand der Republikaner

Darauf zielte auch Barack Obama bei seinem satirischen Auftritt während des Korrespondentendinners im Weißen Haus in der vergangenen Woche. "Viele von Ihnen sind heute gebeten worden, als Hauptgang Fisch oder Steak anzukreuzen", sagte er. "Einige haben stattdessen Paul Ryan, den republikanischen Sprecher des Repräsentantenhauses, aufgeschrieben. Aber, es tut mir leid, Ryan steht nicht auf der Speisekarte."