Die in Russland inhaftierte ukrainische Kampfpilotin Nadija Sawtschenko ist zurück in ihrer Heimat. Die 35-Jährige landete am Nachmittag am Kiewer Flughafen Boryspil. "Das Präsidentenflugzeug mit der Heldin der Ukraine, Nadija Sawtschenko, ist gelandet", schrieb der ukrainische Präsident Petro Poroschenko auf Twitter. Am Flughafen wurde Sawtschenko von Poroschenko, ihrer Mutter, ihrer Schwester, zahlreichen Parlamentariern sowie etwa 170 Journalisten in Empfang genommen. 

Die ukrainische Pilotin wurde nach fast zwei Jahren Haft im Austausch für zwei russische Soldaten freigelassen, die inzwischen ebenfalls in ihrer Heimat angekommen sind. Der Austausch hatte sich bereits angedeutet. Poroschenko dankte Frankreichs Präsident François Hollande, US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel für die Vermittlung in dem Fall und zeichnete Sawtschenko für ihre Tapferkeit aus.

Seit Monaten hatte es geheime Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine gegeben, letztlich sollen Gespräche zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande mit Poroschenko und Kremlchef Wladimir Putin den Ausschlag gegeben haben, berichtet die Moskauer Zeitung Kommersant.

Sawtschenko gab noch am Nachmittag im Präsidentenpalast in Kiew eine Erklärung ab. Sie sei bereit, wieder in den Kampf zu ziehen. Frieden sei manchmal nur durch Krieg möglich, sagte sie vor den Anwesenden. Die russische Bevölkerung solle sich nicht weiter fürchten, sondern erheben, sagte die Ukrainerin.

Für Poroschenko ist die Freilassung Sawtschenkos ein wichtiger innenpolitischer Erfolg. Er versprach, dass die Rückkehr Sawtschenkos nur der Anfang sei: "Genau so wie wir Nadja zurückgebracht haben, werden wir uns den Donbass und die Krim zurückholen". Weitere Gefangene würden heimkehren, wie etwa der Filmemacher Oleg Senzow, versprach Poroschenko.

Sawtschenko kämpfte für umstrittenes Bataillon

Sawtschenko war wegen Beihilfe zum Mord an zwei russischen Journalisten in Russland angeklagt. Ein Gericht hatte sie zu 22 Jahren Haft in einem Arbeitslager verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Sawtschenko die Koordinaten für einen Granatenangriff geliefert hatte, bei dem die beiden Reporter getötet wurden. Die Pilotin hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Sie gab an, widerrechtlich von prorussischen Milizen entführt und nach Russland verschleppt worden zu sein.

Ende Juni 2014 war Sawtschenko in der Ostukraine gefangen genommen worden. Sie kämpfte dort als Teil des Freiwilligenbataillons Aidar. In der Ukraine gilt sie als Heldin. Dem Bataillon werden allerdings unter anderem von Amnesty International Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. 

Mehrfach in Hungerstreik getreten

Aus Protest gegen ihre Inhaftierung war Sawtschenko mehrfach in den Hungerstreik getreten. Russland stand wegen des Prozesses international in der Kritik. Intellektuelle aus ganz Europa hatten Anfang März eine Petition für die Freilassung Sawtschenkos gestartet.  

In Russland wird offiziell von einer Begnadigung Sawtschenkos durch Putin gesprochen. Damit habe der Präsident dem Wunsch von Angehörigen der russischen Reporter entsprochen, wegen deren Tod Sawtschenko verurteilt worden war, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Steinmeier hofft auf Annäherung

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sieht in der Freilassung Sawtschenkos ein Signal für eine Annäherung beider Länder. "Ich hoffe und wünsche mir, dass der heute erfolgte Austausch einen Beitrag zur Vertrauensbildung zwischen der Ukraine und Russland leistet und damit auch dem Minsk-Prozess positive Impulse verleihen kann."

Im weißrussischen Minsk  hatten beide Länder unter der Vermittlung von Frankreich und Deutschland über ein Friedensabkommen für den Krieg in der Ostukraine verhandelt. Zwar wurde dort im September ein Waffenstillstand getroffen, doch wird dieser nicht eingehalten, weshalb weitere Gespräche folgen sollen.