Präsident Nicolás Maduro teilt gegen die Unternehmer in Venezuela aus: Das Bürgertum lege die Produktion lahm, kritisierte er. Geschäftsleuten, die beispielsweise wegen Devisenmangels ihre Firmen stilllegen, drohte er, sie in "Handschellen zu legen" und zu enteignen. "Jetzt ist die Stunde gekommen. Wer nicht arbeiten will, soll abhauen", sagte Maduro. "Dieses Volk braucht wirtschaftliche Strukturen, die funktionieren. Wenn die Bourgeoisie sie aufgibt, übernimmt sie das Volk."

Vergangenen Monat hatte der größte venezolanische Lebensmittel- und Getränkehändler, Empresas Polar, seine letzte aktive Bierbrauerei geschlossen. Begründet hatte der Konzern dies mit Problemen beim Zugang zu harter Währung, um damit Rohstoffe für die Produktion zu kaufen. Maduro wirft Polar und anderen Unternehmen vor, das ohnehin schon wirtschaftlich angeschlagene Land aus ideologischen Gründen weiter destabilisieren zu wollen.

Maduro gerät politisch massiv unter Druck: 1,8 Millionen Venezolaner haben bereits ein Referendum unterschrieben und fordern seinen Rücktritt. Oppositionsführer werfen Maduro und seinem Vorgänger, dem verstorbenen Hugo Chávez, vor, die Wirtschaft in die Krise gestürzt zu haben. Maduro dagegen macht dafür konservative politische Interessenvertreter verantwortlich. Sie führten einen Wirtschaftskrieg gegen ihn, um seinen Sturz herbeizuführen. Am Freitag war ein Erlass für Maduro um 60 Tage verlängert worden, durch den er besondere Befugnisse im Kampf gegen die Krise hat.

Der kolumbianische Ex-Präsidenten Álvaro Uribe brachte am Samstag eine Intervention in Venezuela ins Spiel. Genau wie Dilma Rousseff in Brasilien müsse auch Maduro abgesetzt werden. Der konservative Politiker des Nachbarlands gilt als Maduros Intimfeind. 

Militärübungen gegen Drohungen aus Kolumbien

"Uribe hasst Venezuela. Er hat zu einer bewaffneten Intervention ausländischer Streitkräfte auf dieser heiligen Erde aufgerufen", sagte Maduro bei einer Kundgebung von Regierungsanhängern. "Ich ordne für den Samstag Militärübungen an, um uns auf jedes Szenario vorzubereiten."

Die Opposition warnte Maduro davor, das Abwahlreferendum zu blockieren. Sie forderte den Nationalen Wahlrat auf, über die Gültigkeit von 1,8 Millionen Unterschriften zu entscheiden, die für ein Referendum gesammelt worden waren und es erlauben würden, die Vorbereitungen für die Abstimmung fortzusetzen.

Oppositionsführer Henrique Capriles sagte auf einer Demonstration in der Hauptstadt Caracas in Richtung Maduro: "Wenn Sie den demokratischen Weg versperren, wissen wir nicht, was in diesem Land passieren könnte." Venezuela sei wie eine Bombe, die jeden Moment explodieren könnte. Der Maduro-Verbündete Jorge Rodríguez versprach dagegen, es werde kein Abberufungsreferendum geben. "Sie haben Unterschriften von toten Menschen, Minderjährigen und nicht ausgewiesenen Ausländern bekommen", begründete er die Ablehnung. Das wiederum stritten die Oppositionsführer ab.

Venezuela steht vor dem Ruin. Das Land verfügt über die größten Erdölreserven der Welt, hat aber nach 16 Jahren sozialistischer Regierung mit der höchsten Inflation der Welt, tiefer Rezession und Misswirtschaft zu kämpfen. Vielerorts prägen lange Schlangen und leere Regale das Bild. Anleihen können kaum noch zurückgezahlt werden. Zudem gibt es eine dramatische Stromkrise.