Die Krise im Jemen verschärfe sich, "aber sie erhält nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient", sagte der Manager der UN-Nothilfebehörde, John Ging, am Dienstag in New York. "In den vergangenen Monaten hat sich die Zahl der Spender für die humanitäre Hilfe für die Menschen im Jemen schockierend verringert." Die Staaten hätten erst ein Sechstel der benötigten 1,8 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) eingezahlt.

Während unter anderem die USA, Großbritannien, die Europäische Union und Japan schon Geld überwiesen hätten, sei beispielsweise vom Nachbarland Saudi-Arabien in diesem Jahr noch nichts gekommen. In dem seit 2014 vom Bürgerkrieg zerrütteten Land sei jeder zweite Bürger etwa 13 Millionen Menschen auf Hilfsleistungen angewiesen und 2,5 Millionen seien zu Flüchtlingen geworden. 7,6 Millionen Menschen hätten nicht genug zu essen und seien nur noch "einen Schritt" von einer Hungersnot entfernt, sagte Ging nach seiner Reise in das Bürgerkriegsland.

Saudi-Arabien: vom Geber zur Kriegspartei

Im vergangenen Jahr hatte allein Saudi-Arabien knapp 220 Millionen Euro für die Jemen-Hilfe zur Verfügung gestellt. Dieses Jahr gab es laut Ging keine Zusagen aus dem Königreich, das selbst zur Kriegspartei geworden ist. Auch aus den anderen reichen Golfstaaten lägen keine Zusagen vor. Der Kreis der potenziellen Spender sei enger geworden, sagte Ging.

Die von der UN vermittelten Friedensgespräche zwischen Jemens Regierung und den Huthi-Rebellen wurden unterdessen ausgesetzt. Jemens Außenminister Abdulmalek al-Michlafi forderte die Rebellen am Dienstag zur Unterzeichnung eines Dokuments auf, ohne das die Regierung nicht weiter verhandeln werde. Darin sollen sich die Rebellen zur Umsetzung der Resolution 2216 des UN-Sicherheitsrats bekennen, die die Rebellen zum Rückzug aus eroberten Gebieten auffordert.

Die Huthis weigerten sich, Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi anzuerkennen und verlangten die Bildung einer neuen Regierung unter ihrer Beteiligung. Zuletzt hatte sich UN-Vermittler Ould Cheikh Ahmed verhalten optimistisch gezeigt. "Wir machen Fortschritte, aber sehr langsam", hatte er am Samstag gesagt.

Rebellen nutzen Verhandlungen zur Wiederbewaffnung

"Wenn die Rebellen nicht unterzeichnen, sind die Verhandlungen reine Zeitverschwendung", sagte Außenminister Michlafi. Nach fast vier Wochen Gesprächen seien keine Fortschritte zu verzeichnen. Im Gegenteil benutzten die Rebellen die Verhandlungen dazu, ihre Kräfte zu ordnen und sich Waffen zu beschaffen. Seine Delegation werde bis Samstag am Verhandlungsort in Kuwait-Stadt bleiben und dann über eine Abreise entscheiden. Er appellierte an die internationale Gemeinschaft, die Gespräche wieder in Gang zu bringen.

Ein Huthi-Sprecher wies die Vorwürfe des Außenministers zurück. Präsident Hadi sei für die Lage im Jemen verantwortlich, sagte Abdel-Rahman al-Ahnomi.

Die Gespräche in Kuwait-Stadt waren am 21. April unter UN-Schirmherrschaft aufgenommen worden. Sie wurden bereits mehrfach unterbrochen. Die Gespräche sollen einen Ausweg aus dem Konflikt im Jemen bringen, in dem mehr als 6.400 Menschen getötet wurden.

Die schiitischen Huthi-Rebellen hatten Anfang 2015 die Hauptstadt Sanaa und andere Städte erobert und den sunnitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi zur Flucht ins saudiarabische Exil gezwungen. Seit März 2015 greift eine Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens die vom Iran unterstützten Rebellen aus der Luft an, um Hadi die Rückkehr an die Macht zu ermöglichen. Am 10. April wurde von den UN ein Waffenstillstand verkündet. Beide Seiten werfen sich seit seinem Inkrafttreten vor, ihn verletzt zu haben.