Saudi-Arabien will nach Angaben seines neuen Botschafters in Berlin keine Leopard-Kampfpanzer mehr von Deutschland kaufen. "Die klare Wahrheit ist, dass wir an dem Panzergeschäft nicht interessiert sind", sagte Botschafter Awwad Al-Awwad dem Berliner Tagesspiegel. Waffengeschäfte seien für die Beziehung zwischen Deutschland und Saudi-Arabien "nicht ausschlaggebend", da deutsche Lieferungen weniger als ein Prozent der saudischen Rüstungsimporte ausmachten. 

Der Botschafter kritisierte, die Debatte über Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien werde in Deutschland für interne politische Auseinandersetzungen missbraucht. Sofern dies nicht aufhöre, werde sein Land "zukünftig sehr zurückhaltend sein, was weitere Waffengeschäfte mit Deutschland angeht". Er wolle mit der Thematik weder die gute Beziehung zu Deutschland noch andere gewinnbringende Projekte belasten. Die Handelsbilanz mit Deutschland sei stets ausgezeichnet und zum Vorteil von Deutschland gewesen, sagte der Botschafter in dem Interview.

Das ölreiche Saudi-Arabien ist der weltweit zweitgrößte Waffenimporteur und ein wichtiger Abnehmer für Waffen aus Deutschland. Über den Verkauf von Kampfpanzern an das autoritär regierte Königreich wird seit Jahren spekuliert. Die Waffengeschäfte mit dem arabischen Staat stehen wegen des Vorwurfs gravierender Menschenrechts- und Rechtsstaatlichkeitsmängel in der Kritik. 

In Medienberichten hatte es geheißen, Saudi-Arabien wolle bis zu 300 Leopard-2-Panzer kaufen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte ein solches Geschäft allerdings ausgeschlossen. 2014 lieferte Deutschland laut Rüstungsexportbericht Waffen im Wert von 209 Millionen Euro an das Land. Den Export des Sturmgewehrs G36 verweigert die Bundesregierung.

ZEIT-Wirtschaftsforum - Helmut Schmidt kritisiert deutsche Waffenexporte