Der Vizepräsident des EU-Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff (FDP), hat den Brexit-Wahlkampf scharf kritisiert. "99 Prozent der Debatten sind Panikmache, Verunglimpfungen, Lügen und Verzerrungen von Tatsachen – vor allem aufseiten der Brexit-Befürworter", sagte der FPD-Politiker der Heilbronner Stimme.

Im Fokus Lambsdorffs Kritik steht Premier David Cameron. Ihm warf Lambsdorff Unglaubwürdigkeit vor. Cameron habe das Referendum gar nicht gewollt, "sondern ist ein Getriebener der Euroskeptiker seiner Partei und der Rechtspopulisten". Man könne nicht jahrelang den obersten Europaskeptiker geben und anschließend Anführer einer Pro-Europa-Kampagne werden.    

Die Briten stimmen am 23. Juni über den Verbleib ihres Landes in der EU ab. Jüngsten Umfragen zufolge liegen die Brexit-Befürworter vorne. In einem am Mittwoch vorgelegten Bericht legen die Befürworter grob dar, wie sie sich den Ausstieg vorstellen. 

Brexit-Gegner nutzen derweil die letzten Tage vor der Abstimmung, um auf die möglichen Folgen für die Wirtschaft zu verweisen. Der konservative Finanzminister George Osborne etwa warnte vor Steuererhöhungen und zusätzlichen Kosten für Familien.

In Brüssel schaut man dem Referendum laut Lambsdorff ohne große Sorge entgegen. Hier könne man sich die EU, selbst wenn man das nicht wolle, auch ohne Großbritannien vorstellen. "Schließlich war das Land an den ersten 16 Jahren der EU gar nicht beteiligt."