Die knappe Mehrheit der Briten hat sich für einen Austritt aus der Europäischen Union entschieden. Laut offizieller Angaben aus der Auszählung kamen die Befürworter des Brexit auf 51,9 Prozent, lediglich 48,1 Prozent stimmten für den Verbleib. Insgesamt votierten 17.410.742 Wähler für Austreten, 16.141.241 für Drinbleiben, meldete der Sender unter Berufung auf das vorläufige Endergebnis. Die Entscheidung kam unerwartet, Umfragen hatten ein anderes Bild ergeben.

Vor allem in den Regionen Wales und in Nordengland stimmten die Briten mit großer Mehrheit für den Austritt. In großen Städten und der Hauptstadt London, in Schottland und Nordirland waren die Bleiben-Befürworter stärker. Sie konnten sich aber nicht durchsetzen. 

Der Chef der Ukip-Partei der Europagegner, Nigel Farage, triumphierte. Der 23. Juni werde als Unabhängigkeitstag in die britische Geschichte eingehen, sagte er. "Lasst uns dieses kaputte System in Brüssel, die Flagge und die verfehlte Hymne in Brüssel runterreißen." Er forderte Premier David Cameron zum Rücktritt auf.

Cameron hatte das Referendum zwar initiiert, bis zuletzt aber für ein Bleiben in der EU geworben. Er dürfte jetzt unter Druck auch seiner eigenen konservativen Partei geraten. Denn die Konservativen sind in der Frage der EU-Mitgliedschaft tief gespalten und geben ihrem Vorsitzenden eine Mitschuld für diesen parteiinternen Zwist.

So steht es im EU-Referendum

Großbritannien hat über den Verbleib in der EU abgestimmt. Bisher sind 344 der 382 Wahlkreise ausgezählt.

Innnerhalb Großbritanniens positionierten sich die Regionen unterschiedlich. Die Schotten sehen ihre Zukunft nach wie vor in der Europäischen Union, wie ihre Regierungschefin Nicola Sturgeon sagte. Die Bewohner hätten eindeutig für einen Verbleib gestimmt. Die pro-irische Sinn Fein in Nordirland teilte dementgegen mit, jetzt verstärkt für einen Austritt der Provinz aus dem Vereinigten Königreich werben zu wollen. Der Ausgang des Referendums gebe den Bestrebungen für ein vereinigtes Irland neuen Auftrieb, sagt Partei-Chef Declan Kearney.

Deutsche Politiker reagierten enttäuscht. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, die Nachricht sei "wahrlich ernüchternd". Es sehe nach einem "traurigen Tag für Europa und Großbritannien" aus, twitterte er. "Damn", twitterte Vizekanzler Sigmar Gabriel. "Ein schlechter Tag für Europa." Grünen-Chef Cem Özdemir schrieb, Camerons Versuch, Populisten durch das Referendum klein zu kriegen und in der EU zu zu bleiben, sei "gründlich in die Hose gegangen".

Die Aussicht auf einen Austritt der Briten aus der 28 Mitglieder starken Gemeinschaft ließ die britische Währung abstürzen. Das Pfund brach im Vergleich zum Dollar um mehr als zehn Prozent ein, auf weniger als 1,33 Dollar, die Währung ist so billig wie seit 1985 nicht. Die Börsen öffnen um neun Uhr deutscher Zeit, auch hier wird ein Kurssturz erwartet. Finanzmarktanalysten rechnen laut Financial Times damit, dass Großbritanniens Kreditwürdigkeit von der Bestnote AAA herabgestuft wird.

In Japan gab der Nikkei-Index an der Börse in Tokio nach den erste Ergebnissen mehr als sieben Prozent nach.Die Börsen in Frankfurt, London und New York hatten am Donnerstag noch in Erwartung eines Siegs der EU-Anhänger deutlich im Plus geschlossen.

Die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G7) bereiteten Japan zufolge eine Erklärung vor, um die Märkte zu beruhigen, sollte die EU tatsächlich ihre zweitgrößte Volkswirtschaft verlieren. Für den Morgen wurde eine Pressekonferenz anberaumt.

Mit knapp 72 Prozent lag die Wahlbeteiligung hoch, trotz schlechten Wetters. Zur Parlamentswahl im vergangenen Jahr waren nur 66,1 Prozent der registrierten Wähler gegangen.

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