Brexit-Referendum: EU! EU! EU!

Tausende Menschen haben in Großbritannien gegen den Brexit protestiert. In Brüssel fanden die ersten EU-Gespräche auf höchster Ebene statt. Unser Live-Blog zum Nachlesen
Demonstranten protestieren vor dem House of Parliament in London gegen den Brexit. © Dylan Martinez/​Reuters

In Brüssel beraten die EU-Staats- und Regierungschefs über die Folgen des Brexit-Referendums, in London wird es derweil schwer für Labour-Chef Jeremy Corbyn: Die Unterstützung seiner eigenen Partei schwindet.

Corbyn verlor am Dienstagnachmittag eine Vertrauensabstimmung seiner Fraktion: 172 Mitglieder der Labour-Fraktion entzogen dem Parteichef ihr Vertrauen, nur 40 hielten zu ihm. Dennoch will Corbyn nicht zurücktreten. Das Votum der Abgeordneten hat seiner Ansicht nach keine rechtliche Grundlage.

Die Tories sind da schon einen Schritt weiter: Für die Parteispitze und damit auch das Amt des Premierministers können die Politiker voraussichtlich ab Mittwoch kandidieren, wenn der Zeitplan des Auswahlverfahrens festgelegt ist. Daraus wählen die Tory-Abgeordneten zwei Kandidaten aus, zwischen denen die Parteibasis wählen soll. Am 9. September soll dann der Nachfolger von Premier David Cameron benannt werden.

In britischen Städten demonstrierten am Abend Tausende Menschen für einen Verbleib Großbritanniens in der EU. Dafür will auch die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon kämpfen: Sie fliegt am Mittwoch nach Brüssel, um sich mit EU-Parlamentspräsident Martin Schulz zu besprechen.

Am zweiten Tag des Gipfeltreffens werden die Gespräche ohne David Cameron fortgesetzt. Noch liegt allerdings der offizielle Austrittsantrag der Briten nicht vor, daher können die Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien noch nicht beginnen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat seiner Behörde nach eigenen Angaben jegliche Vorverhandlungen mit der britischen Seite über einen EU-Austritt verboten.

Schulz kam den Briten vor dem Gipfeltreffen ein wenig entgegen: Die Regierung in London könne sich noch einige Wochen Zeit lassen, bevor es den Antrag einreichen müsse, sagte Schulz.

Keine Rosinenpickerei

Zuvor hatte es eine Debatte der EU-Parlamentarier in Straßburg gegeben. Dabei forderte eine Mehrheit der Abgeordneten, dass der Kern der EU gestärkt werden müsse und Lösungen für Mitgliedsländer "à la carte" vermieden werden sollten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich am Morgen im Bundestag ähnlich geäußert: Sie warnte die "britischen Freunde, sich etwas vorzumachen". Deutschland werde sicherstellen, dass die Austrittsverhandlungen nicht nach dem Prinzip der Rosinenpickerei geführt würden. Wer Zugang zum Binnenmarkt haben wolle, müsse damit einhergehende Verpflichtungen einhalten.

  • 21:48 Uhr
    Sybille Klormann

    Nigel Farage will im Europaparlament bleiben, bis die Austrittsverhandlungen beendet sind. Der Rechtspopulist und Brexit-Befürworter hat angekündigt, er "werde nicht wegrennen, ich werde dorthin zurückkehren". Damit vollzieht Farage eine Kehrtwende: Anfang Juni hatte der Ukip-Chef das Parlament noch demonstrativ verlassen. "Es kann dauern, bis ich wiederkomme", hatte er damals erklärt.

  • 21:12 Uhr
    Sybille Klormann

    Mit großen Erwartungen fährt die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon morgen zum EU-Gipfel nach Brüssel. Doch ihre Hoffnung, Schottland in der EU zu halten, hat einen ersten Dämpfer erhalten: EU-Ratspräsident Donald Tusk hat ein Treffen abgelehnt. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz wird zwar Sturgeon empfangen, aber auch er zeigt sich sehr zurückhaltend: Er werde sie "willkommen heißen" und ihr dann zuhören, sagte Schulz.

  • 20:42 Uhr
    Sybille Klormann

    Der britische EU-Austritt dürfte nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Wirtschaft der Eurozone spürbar treffen. Das Wachstum könnte in den nächsten drei Jahren zusammen um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte geringer ausfallen als bisher angenommen, warnte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, nach Angaben von Diplomaten.

  • 20:08 Uhr
    Sybille Klormann

    In Brüssel hat Martin Schulz vor dem Abendessen der Staats- und Regierungschefs den Druck etwas rausgenommen: Die Briten könnten sich mit dem Austrittsantrag doch noch "ein paar Wochen" Zeit lassen, sagte der Parlamentspräsident. Allerdings fügte Schulz hinzu, mit Blick auf die Entwicklung an den Märkten und die wirtschaftliche Unsicherheit sollte sich die Regierung in London dennoch "so schnell wie möglich" um den Antrag bemühen, berichtet ein Tagesspiegel-Korrespondent aus Brüssel.

  • 19:45 Uhr
    Rita Lauter

    Briten gehen, aber Schotten bleiben? Nach Einschätzung des Chefs der Liberalen im Europaparlament und früheren belgischen Ministerpräsidenten Guy Verhofstadt wäre das kein Problem. Dem Sender STV sagte er, er sehe darin kein großes Hindernis – und zwar dann, wenn Schottland beschließe, Großbritannien zu verlassen, um ein unabhängiger Staat zu werden und dann entscheide, Teil der Europäischen Union zu sein. 

  • 19:31 Uhr
    Rita Lauter

    Streicheleinheiten für die britische Seele: Unter #WeLoveUKBecause sammeln wir Liebesbekundungen für Großbritannien. Trotz der Mehrheit für den Brexit sind die Gefühle nicht erkaltet, im Gegenteil. Die schönsten Liebeserklärungen des Candy Storms haben wir hier zusammengefasst. Twittern Sie mit!


     

  • 18:12 Uhr
    Sybille Klormann

    Erst hieß es "im Oktober", dann "spätestens am 2. September" und es wird: der 9. September. An diesen Tag wollen die Konservativen einen Nachfolger von Parteichef und Premier David Cameron benennen. Die Bewerbungsfrist für das Amt soll am Mittwoch beginnen und schon am Donnerstag enden.

  • 18:06 Uhr
    Ute Brandenburger

    Bregret-Stimmung plagt die Bewohner der nordenglischen Stadt Redcar. Und das, obwohl sich hier viele von den Eliten, der Globalisierung und der weit entfernten Politik in London abgehängt fühlen. 

  • Mehr Beiträge laden

Kommentare

1.040 Kommentare Seite 1 von 76 Kommentieren