Mehr als die Hälfte der Schotten will lieber zur EU gehören als zu Großbritannien. Umfragen für zwei britische Zeitungen ergaben, dass 52 Prozent (Sunday Times) beziehungsweise 58 Prozent (Sunday Post) in einem zweiten Referendum für die Unabhängigkeit stimmen würden. Beim letzten Referendum zu der Frage im Jahr 2014 waren es nur 45 Prozent – damit blieb Schottland Teil des Vereinigten Königreichs.

Beim Brexit-Referendum am Donnerstag hatten 62 Prozent der Schotten für den Verbleib in der Europäischen Union gestimmt. Insgesamt votierten jedoch knapp 52 Prozent aller Briten für den Ausstieg aus der EU. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon stellte daraufhin ein zweites Referendum über die Unabhängigkeit in Aussicht; die Regierung will bereits eigene Gespräche mit der EU aufnehmen. Sollte sich Schottland tatsächlich von Großbritannien abspalten, könnte das Land wieder der EU beitreten. Damit würde die über 300 Jahre bestehende Einheit Englands mit Schottland beendet.

Der CDU-Europapolitiker Gunther Krichbaum plant bereits die Zeit nach einem solchen Referendum. "Die EU wird weiter aus 28 Mitgliedstaaten bestehen", frohlockte der Vorsitzende des Ausschusses für EU-Angelegenheiten im Bundestag in der Welt am Sonntag. "Einen Aufnahmeantrag des EU-freundlichen Landes sollten wir schnell beantworten."

Auch Nordiren sinnieren über Trennung

In Nordirland, wo wie in Schottland eine Mehrheit für den EU-Verbleib gestimmt hatte, riefen Nationalisten zu einem eigenen Referendum für eine Wiedervereinigung mit dem EU-Staat Irland auf. Wie die nordirische Postbehörde am Samstag mitteilte, stieg zudem das Interesse am Antrag für die irische Staatsbürgerschaft. Die meisten Nordiren können Anspruch auf einen irischen Pass erheben.