Mehr als 40 Jahre nach der Ermordung des legendären chilenischen Liedermachers Víctor Jara ist ein früherer Offizier wegen des Verbrechens verurteilt worden. Ein Gericht im US-Bundesstaat Florida befand den chilenischen Ex-Leutnant Pedro Pablo Barrientos Núñez in einem Zivilverfahren für schuldig. Er wurde zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 28 Millionen Dollar (rund 25,5 Millionen Euro) an die Familie des Sängers und Komponisten verurteilt.

Der Folkmusiker und Linksaktivist war nach dem Militärputsch am 11. September 1973 von General Augusto Pinochet gegen die gewählte Regierung von Salvador Allende zusammen mit 5.000 anderen Menschen im Fußballstadion von Santiago de Chile gefangen gehalten worden. Er wurde dort gefoltert und schließlich erschossen. Das Stadion ist heute nach ihm benannt.

In Chile war bereits elf Militärs wegen der Ermordung Jaras der Prozess gemacht worden. Bislang hat sich die chilenische Justiz jedoch vergeblich um die Auslieferung von Barrientos bemüht, der seit 1989 in den USA lebt. Die Zivilklage gegen den Ex-Militär war von der Menschenrechtsgruppe Zentrum für Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht (CJA) im Namen der Familie Jaras eingereicht worden.

Die 89-jährige Witwe des Sängers, Joan Jara, sagte nach dem Urteil, sie sei glücklich. Die Entscheidung sei ein Sieg. Jara war bei der Urteilsverkündung in Orlando dabei und wurde von ihren beiden Töchtern begleitet.

Víctor Jara gehörte der Kommunistischen Partei an und war ein enthusiastischer Anhänger der Allende-Regierung. Sein Schicksal bewegte und inspirierte Musiker auf der ganzen Welt.