Sie schossen und zündeten Bomben im Istanbuler Flughafen. Die türkische Regierung spricht von drei Selbstmordattentätern, die sie der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) zuordnet. Bislang bekannte sich keine Gruppe offiziell zu der Tat. 36 Menschen wurden bei dem Terroranschlag am Dienstagabend getötet, 147 weitere verletzt, wie Premierminister Binali Yildirim sagte; die Behörden korrigierten ihre Angaben mehrfach. Die meisten Opfer sollen türkische Staatsbürger sein.

Was bislang bekannt ist: Die drei Attentäter fuhren offenbar mit einem Taxi zum Flughafen. Zwei Angreifer sollen sich selbst in die Luft gesprengt haben, nachdem die Polizei auf sie geschossen hatte. Der türkische Justizminister Bekir Bozdağ sagte, seinen Informationen zufolge habe zunächst ein Terrorist am Eingang des internationalen Terminals mit einer Kalaschnikow das Feuer eröffnet. Dann habe er sich selbst in die Luft gesprengt. Ein anderer Regierungsvertreter sagte, die Angreifer hätten Sprengstoff am Eingang des internationalen Terminals vor dem Sicherheitscheck gezündet. Mutmaßungen über Mängel an den Sicherheitsvorkehrungen wies Premier Yildirim zurück.

Der Sender CNN Türk berichtete, auf einem Parkplatz des Flughafens seien Schüsse zu hören gewesen, der Flughafen wurde daraufhin abgeriegelt. Taxis hätten Verletzte weggefahren. Zwei südafrikanische Touristen berichteten, dass sie Schüsse gehört hätten, als sie in Richtung ihres Gates gegangen waren. Sie hätten einen in schwarz gekleideten Mann mit einer Handfeuerwaffe gesehen.

Der Flugverkehr auf dem drittgrößten Flughafen Europas wurde vorübergehend komplett eingestellt, Passagiere wurden ins Hotel gebracht. Es herrschte offenbar ein ziemliches Chaos.

Am Mittwochmorgen starteten und landeten Flugzeuge wieder. CNN Türk berichtete, Reisende könnten inzwischen auch wieder ins Terminal. Der Flugverkehr war allerdings eingeschränkt, Turkish Airlines strich mehr als 340 Flüge.

Im Flughafengebäude sind schwere Schäden sichtbar. Besonders dort, wo Reisende nach der Landung in der Türkei aus dem Sicherheitsbereich kommen und von Wartenden in Empfang genommen werden, berichtete eine Reporterin der Nachrichtenagentur dpa. Dort seien die weißen Kunststoffplatten der Deckenverkleidung vollständig heruntergerissen worden. Die Decke weise Rußspuren auf. Scheiben in dem Bereich seien zersplittert, einige schienen Einschusslöcher aufzuweisen.

Nach Darstellungen aus türkischen Regierungskreisen gelangte keiner der drei Selbstmordattentäter in diesen Innenbereich des Terminals. Einer der Angreifer sprengte sich diesen Angaben zufolge an der Sicherheitsschleuse im Eingangsbereich des Terminals in die Luft. Dort sind zwar ebenfalls Explosionsschäden, diese erscheinen aber weniger schwer als im Wartebereich, wie am Mittwoch deutlich wurde.

Mehr als 200 Tote in einem Jahr

In den vergangenen Monaten hatte es mehrere Anschläge in der Türkei gegeben, die vom IS oder kurdischen Kämpfern ausgingen. In Istanbul war erst Mitte des Monats ein Anschlag auf einen Polizeibus verübt worden. Sechs Polizisten sowie fünf Zivilisten wurden dabei getötet.

Bei einem Sprengstoffanschlag auf ein Militärfahrzeug in der Nähe einer Kaserne in Istanbul wurden im Mai acht Menschen verletzt, unter ihnen mehrere Soldaten. Im März wurden bei einem Selbstmordattentat in Istanbul mehrere Menschen getötet, im Januar kamen bei einem Anschlag im historischen Zentrum zwölf deutsche Urlauber um. Insgesamt sind seit Juli 2015 bei Bombenanschlägen mehr als 200 Menschen in der Türkei getötet worden.

Erdoğan bezeichnet Anschlag als Wendepunkt

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan verurteilte den Anschlag und forderte die Welt zum entschlossenen Handeln gegen Terroristen auf. "Ich hoffe, dass der Anschlag am Istanbuler Flughafen auf der ganzen Welt, allen voran in den westlichen Staaten, ein Meilenstein, ein Wendepunkt für den gemeinsamen Kampf gegen die Terrororganisationen sein wird," so Erdoğan.

Der Terrorangriff habe nicht nur 79 Millionen Türken, sondern allen Menschen gegolten. "Jeder soll wissen, dass die Terrororganisationen nicht unterscheiden zwischen Istanbul und London, Ankara und Berlin, Izmir und Chicago, Antalya und Rom", hieß es in der Mitteilung Erdoğans.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, die Staats- und Regierungschefs der EU und die US-Regierung verurteilten den Anschlag ebenfalls. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte beim EU-Gipfel in Brüssel: "Ich möchte dem ganzen türkischen Volk von hier aus sagen, dass wir uns im Kampf gegen den Terrorismus vereint sehen und uns gegenseitig unterstützen werden."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte: "Noch sind die Hintergründe unklar, aber alles deutet darauf hin, dass Terroristen erneut in der türkischen Metropole zugeschlagen haben. Wir stehen an der Seite der Türkei." Informationen zu Toten oder Verletzten aus Deutschland hat die Bundesregierung bislang nicht, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte.