Die EU-Grenzschutzagentur Frontex fordert mehr Zugriff auf personenbezogene Daten. Um prüfen zu können, ob unter den Migranten in den griechischen und italienischen Hotspots Terroristen oder Kriminelle seien, müsse Frontex diese Daten einsehen dürfen, sagte Frontex-Direktor Fabrice Leggeri dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Die Nutzung des Schengen-Informationssystems ist für eine wirksame Grenzkontrolle unerlässlich, doch das erlaubt uns der EU-Gesetzgeber nicht", sagte er. Es genüge nicht, nur das Personal und die Etats aufzustocken.

Frontex registriert eine Zunahme von Migranten aus Afrika, die sich aus Libyen und Ägypten auf den gefährlichen Weg nach Italien begeben. "Das wird wohl der Schwerpunkt dieses Jahres", sagte Leggeri. Seit Jahresbeginn hat Frontex nach eigenen Angaben 47.000 Menschen in Seenot gerettet – 33.000 in Griechenland und 17.000 in Italien.

Leggeri forderte auch mehr legale Einreisemöglichkeiten nach Europa: "Am besten wäre es, wenn Menschen gar nicht erst in Seenot gerieten. Wenn es mehr legale Einreisemöglichkeiten gäbe – für schutzbedürftige Menschen, aber auch für jene, die aus wirtschaftlichen Motiven auswandern", sagte er. Von der EU bereits beschlossene Umsiedlungsprogramme seien ein Anfang. 

Anerkennend äußerte sich Leggeri über den Beitrag Deutschlands bei der Sicherung der Außengrenzen. "Die Bundesrepublik leistet einen großen Beitrag."

Nach Auffassung des Frontex-Chefs wird der Zuzug von Flüchtlingen nach Europa noch lange anhalten. "Der Migrationsdruck wird bleiben, weil dessen Ursachen nicht so schnell verschwinden werden", sagte Leggeri mit Blick auf den Krieg in Syrien, die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Nahen Osten und die Gewalt am Horn von Afrika. "Aber das sollte uns keine Angst machen. Die Geschichtsbücher sind voll von Völkerwanderungen", sagte Leggeri.