In einer TV-Sendung zum anstehenden Brexit-Referendum hat der britische Premierminister David Cameron versucht, die Zuschauer von einem Verbleib in der EU zu überzeugen. Der Vorsitzende der rechtspopulistischen Ukip, Nigel Farage, plädierte dagegen für einen Austritt. Die Sendung fand wenige Stunden vor dem Ende der Registrierungsphase für das Referendum am 23. Juni statt.

Schotten könnten erneut Unabhängigkeit anstreben

"Ich befürchte ein zweites schottisches Unabhängigkeitsreferendum, falls wir austreten sollten", sagte David Cameron. Die Schotten hatten eine Loslösung von Großbritannien 2014 nur mit knapper Mehrheit abgelehnt. Für den Fall eines Brexits erwägen sie aber weitere Schritte.

Auch ihn frustriere die EU bisweilen, räumte Cameron ein, doch das sei kein Grund für einen Austritt: "Verlassen heißt aufgeben, und ich glaube nicht, dass wir aufgeben. Wir sind Kämpfer." 

Der Brexit, sagte Cameron, sei ein größeres Risiko für die Zukunft des Landes als die Immigration. Ein Verbleib in der EU sei für die britische Wirtschaft und den internationalen Einfluss des Landes wichtig. Er wolle ein Groß-Britannien, nicht "Nigel Farages kleines England".

Die Warnung des Internationalen Währungsfonds, ein Brexit könne zu erheblichen Wirtschaftseinbußen führen, wies Rechtspopulist Farage zurück. "Sie haben in der Vergangenheit falschgelegen, sie liegen auch diesmal falsch", sagte er. "Das Projekt (EU) funktioniert nicht." Der Brexit sei eine Chance, die britische Unabhängigkeit zurückzuerobern. Danach würden die Briten immer noch "gute Europäer" sein. Farage wirbt seit 20 Jahren für einen EU-Austritt Großbritanniens.

Farage: Migranten sind schuld

Für soziale Probleme in seinem Land machte der Ukip-Vorsitzende Migranten verantwortlich. Die schwachen Grenzkontrollen der EU brächten Großbritannien in Gefahr. Man könne gleich ein Schild mit der Aufschrift "Terroristen willkommen" aufstellen.

Beide Politiker standen am Dienstag bei ITV vor der Kamera, führten aber keine Debatte, sondern äußerten sich nacheinander zu Fragen eines gut informierten Publikums. Umfragen zufolge ist der Ausgang des EU-Referendums am 23. Juni völlig offen.