Der Schock traf mich in der Küche. Ich machte Lunch, als ich in der BBC hörte, wie die Polizeichefin von West Yorkshire mit gefasster Stimme den Tod von Jo Cox bekannt gab. Ich wollte es nicht glauben. Eine 41-jährige Mutter zweier Kinder, die ihr Leben der Politik gewidmet hatte. Eine junge Abgeordnete, die der Demokratie mit ihrer Lebensoffenheit neue Impulse geben wollte.

Ich wusste, dass sie die Wahl des von mir nicht gerade hoch geschätzten Jeremy Corbyn zum Führer der Labour-Partei unterstützt hatte, ihn aber später kritisierte, weil er sich nicht genug für den Verbleib Großbritanniens in der EU einsetzte. Und dass sie den Premierminister für seine schäbige Haltung zu syrischen Flüchtlingskindern zur Rechenschaft zog. Auch wusste ich, dass sie eine Internationalistin und überzeugte Europäerin war. Sie war in der multiethnischen Wirklichkeit ihres Wahlkreises verwurzelt, in dem sie mehr Gemeinsames als die Menschen Entzweiendes sah.

Ich empfand den Mord als Anschlag auf das, was für mich immer britische Haltung zum Leben und britischer Anstand war. Beides wird von Nationalisten aller Façon seit Jahren unterminiert. Mit tragischen Folgen, wie sich jetzt zeigt. 

Biedermänner und Brandstifter

Der gestrige Tag hatte mit der Enthüllung einer Brexit-Plakatkampagne durch den Ukip-Führer Nigel Farage begonnen, die man nur als widerlich beschreiben kann. Es ist eine Anstachelung zum Fremdenhass, die Plakate zeigen eine Schlange auf den Betrachter zuströmender junger Männer und den Slogan: "Die EU hat versagt. Wir müssen uns befreien und die Kontrolle über unser Land zurückerobern." Farage deutete selbstzufrieden auf das Plakat und sagte, "all diese Leute sind letztes Jahr nach Deutschland gekommen und haben sich als Flüchtlinge ausgegeben. Wenn der IS sagt, er wolle Europa mit Dschihadisten überfluten, dann meint er es ernst."

Zweimal hat Jo Coxs Mörder Zeugenaussagen zufolge "Britain first" geschrien, als er sie erschoss. Ich muss an Biedermann und die Brandstifter denken. Und es gibt nicht nur den Biedermann Farage.