Fast vier Jahre lang haben die Regierung von Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos und die linksgerichtete Guerilla-Organisation Farc über ein Ende des blutigen Bürgerkrieges verhandelt. Auf Kuba, neutralem Gebiet. Heute, am Donnerstag, soll es nun so weit sein.

Es ist alles vorbereitet für den großen historischen Tag. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon wird kommen. Auch Venezuelas schwächelndes Staatsoberhaupt Nicolas Maduro und Chiles Präsidentin Michelle Bachelet sind als Vertreter der Garantiemächte dabei. Und natürlich wird auch Kubas Machthaber Raúl Castro die heimische Bühne in Havanna für einen Auftritt nutzen. Wenn Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos und Farc-Chef Timoschenko in der kubanischen Hauptstadt das Ende des bewaffneten Konfliktes besiegeln, dann schaut die Welt für einen Moment nicht zur Brexit-Abstimmung nach London, sondern eben nach Lateinamerika.

Jahrzehntelang standen sich die Guerilleros der Farc und der kolumbianische Staat unversöhnlich gegenüber. Mehr als 200.000 Menschen starben in dem Krieg, 6,9 Millionen Binnenflüchtlinge verloren ihre Heimat. Mit den Friedensverhandlungen haben Kolumbiens Präsident Santos und Farc-Chef Timoschenko auch ihre politische Karriere aufs Spiel gesetzt. Denn ein Friedensvertrag zwischen den ideologisch verfeindeten Seiten mag zwar im Ausland als großer Erfolg gesehen werden. In Kolumbien selbst ist die Skepsis groß.

Guerilla-Bosse in den Parlamenten?

Nicht viele Menschen vertrauen den Beteuerungen der Farc, sondern sie wollen die Guerilla-Bosse, deren Organisation für Mord, Folter, Vertreibung, Vergewaltigung und Entführung stehen, lieber im Gefängnis sehen. Und nicht bald in den Parlamenten, wie sie fürchten.

Draußen im Dschungel fragen sich die meist jungen Guerrilleros, was nun aus ihnen werden soll, wenn sie nicht mehr kämpfen sollen. Deshalb ist am Mittwoch in Bogotá, Medellín oder Cali auch kein Jubel ausgebrochen, als die ersten Nachrichten über den großen Verhandlungserfolg nach außen drangen. Das liegt auch daran, dass die rechtskonservative Opposition um den immer noch sehr populären Ex-Präsidenten und Hardliner Álvaro Uribe Stimmung gegen den Friedensprozess macht und die Bevölkerung sogar zum zivilen Widerstand aufruft. "Santos liefert das Land der Farc aus", behauptet Uribe und hat damit die Wutbürger auf seiner Seite.

Der Präsident reagiert gelassen: "Der Friedensprozess ist wie eine lange Reise über die stürmische See. Es ist sehr wackelig, doch man darf nie den sicheren Hafen aus den Augen verlieren."