Die Krise der Mitte-rechts-Regierung in Kroatien ist eskaliert. Die größte Koalitionspartei, die konservative HDZ, entzog dem parteilosen Regierungschef Tihomir Oreskovic das Vertrauen.

In Zukunft will sie auch nicht mehr mit dem bisherigen Juniorpartner, der kleinen Reformpartei Most, zusammenarbeiten. Die HDZ-Spitze will am Samstag entscheiden, ob es Neuwahlen geben soll. Das kündigte der Parteivorsitzende und stellvertretende Regierungschef Tomislav Karamarko an.

Gegen ihn gibt es Korruptionsvorwürfe – der Ausgangspunkt des Zerwürfnisses. Der kleinere Regierungspartner Most hatte deshalb seinen Rücktritt verlangt und angekündigt, einen Antrag der Opposition zu unterstützen, um Karamarko abzulösen. Der Streit zwischen ihm und dem zweiten Vize-Regierungschef von der Most-Partei Bozo Petrov sei für das Land zu einer schweren Last geworden, der bereits die Kreditwürdigkeit Kroatiens an den internationalen Finanzmärkten verschlechtert habe.

Außerdem hatte Most Einwände gegen die rechtskonservative Politik von Karamarkos HDZ, die zuletzt eine Bildungsreform gestoppt hatte, weil sie darin zu wenig christlich-konservative Werte berücksichtigt sah. Im Ausland hatte es zudem  Forderungen nach einem Rücktritt des HDZ-Kultusministers gegeben, weil er faschistische Positionen vertrete.

Trotz allem will Ministerpräsident Oreskovic sein Amt behalten. Weder sein Rücktritt noch Neuwahlen seien nötig; diese würde die wirtschaftliche Erholung des Landes nur verlangsamen und belasten, sagte er. Stattdessen forderte er seine rivalisierenden Stellvertreter zum Rücktritt auf. Während der umstrittene Karamarko das ablehnte, sagte Petrov, er sei zu einem Rücktritt bereit – aber nur, wenn Karamarko ebenfalls zurücktrete.

Die Regierung Kroatiens, des jüngsten Mitglieds der Europäischen Union, war erst im Januar 2016 gebildet worden.