Im Prozess um die Gültigkeit der österreichischen Präsidentschaftswahl sind bei Anhörungen im Verfassungsgericht weitere Fehler bei der Stimmenauszählung bekannt geworden. Mehrere Beteiligte bestätigten nicht korrekte Abläufe oder gaben Fehler zu.

Im Bezirk Leibnitz seien die Stimmen der Briefwähler bereits am Sonntagabend ausgezählt worden. Gesetzlich vorgeschrieben ist aber eine Auszählung der Briefwahlstimmen ab neun Uhr am folgenden Montag. Gehandhabt wurde es demnach anders, aus Zeit- oder anderen Gründen zählten die Wahlhelfer auch die Briefwahlstimmen aus: "Das wurde immer so gemacht", sagte einer der Beisitzer, der in einem der Wahlbüros tätig war. Wie Wahlhelfer schilderten, hatten die Teams zum Teil Tausende Wahlbriefe zu öffnen und zu verarbeiten. Bei der Anhörung entstand bei Beobachtern der Eindruck, diese Arbeit sei Montagmorgen nicht zu schaffen. Deshalb erledigten die Teams sie bereits am Sonntagabend.

Nach der Wahl waren dann am Sonntag bereits Briefwahlergebnisse bekannt geworden, was die knapp unterlegene FPÖ zur Klage gegen das Wahlergebnis bewogen hatte.

Die 14 Verfassungsrichter hatten bei der bisher viertägigen Anhörung von etwa 90 Zeugen formale Verstöße gegen das Wahlgesetz geschildert bekommen. Hinweise auf Wahlbetrug ergab die Befragung bisher aber nicht.

Zum Auftakt des Verfahrens waren bereits formale Fehler bei der Briefwahlauszählung in den Wahlbezirken Innsbruck-Land und Südoststeiermark eingeräumt worden. So seien Wahlumschläge vorzeitig geöffnet und Briefwahlstimmen von Personen ausgezählt worden, die gar nicht zur Wahlkommission gehörten. Auch diese Befragten begründeten ihr Vorgehen mit der Zeitnot wegen der Rekordbeteiligung bei der Briefwahl. "Das ist sonst nicht zu schaffen", sagte Wolfgang Nairz, Wahlleiter des Bezirks Innsbruck-Land.

Der Bezirkshauptmann der Südoststeiermark, Alexander Majcan, verwies darauf, dass sein Stellvertreter, der wegen eines Krankheitsfalls kurzfristig ernannt worden war, aus Zeitnot die Briefwahlstimmen mit einem Team der Verwaltung bereits bis Sonntag um Mitternacht ausgezählt hat. Auch der Bürgermeister von Villach, Günther Albl, räumte offensichtliche Fehler beim Ablauf der Wahl ein.

Der Verfassungsgerichtshof hatte am Montag mit der Befragung der Zeugen aus den Bezirkswahlbehörden begonnen – es ist das bislang größte Beweisverfahren in der Geschichte des Gerichts. Entscheidend wird sein, welches Ausmaß und welche Schwere an formalen Fehlern die Kammer feststellt. Erst wenn die Richter davon ausgehen, dass die Vorgänge relevant für den Ausgang der Wahl waren, wird diese möglicherweise wiederholt.

Die FPÖ, deren Kandidat Norbert Hofer nur um 31.000 Stimmen den Sieg verpasst hatte, hatte die Wahl angefochten, weil es in 94 von 117 Bezirkswahlbehörden Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Zunächst hatte Hofer noch erklärt, nicht gegen das Ergebnis vorgehen zu wollen.