Der voraussichtliche republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat US-Präsident Barack Obama nach dem Massaker von Orlando zum Rücktritt aufgefordert. "In seinen heutigen Bemerkungen hat Obama sich schändlicherweise geweigert, die Wörter 'radikaler Islam' zu benutzen", heißt es in einer Stellungnahme des Trump-Teams. "Allein aus diesem Grund sollte er zurücktreten."

Obama hatte den Massenmord mit 50 Toten als Akt des Terrors und Akt des Hasses bezeichnet. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar. Der mutmaßliche Täter hatte sich zwar nach Angaben der Polizei zur Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) bekannt. Ob der Mann aber tatsächlich ein überzeugter Islamist war und welche Motive er hatte, wird noch ermittelt.

Trump forderte die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton auf, aus dem Rennen um das Weiße Haus auszusteigen, weil auch sie die Wörter "radikaler Islam" nicht verwendet habe. Clinton hatte ebenso wie Obama von einem "Akt des Terrors" gesprochen. Die USA müssten mehr Maßnahmen ergreifen, um Waffen, wie sie bei der Schießerei von Orlando genutzt worden seien, "aus den Fängen von Terroristen und anderen gewalttätigen Kriminellen" fernzuhalten, forderte Clinton. Ein für Mittwoch geplanter gemeinsamer Wahlkampfauftritt von Präsident Obama und Hillary Clinton wurde aufgrund des Attentats verschoben.

"Was in Orlando passiert ist, ist erst der Anfang", schrieb der Republikaner Trump. Er wiederholte seine Forderung, allen Muslimen die Einreise in die USA zu verwehren. Bei dem mutmaßlichen Schützen von Orlando soll es sich um einen US-Bürger handeln, dessen Familie aus Afghanistan stammt.

Der größte muslimische Verband der USA, das Council on American-Islamic Relations (Cair), hat das Massaker von Orlando unterdessen aufs Schärfste verurteilt. "Es gibt für solch ein Verbrechen keinerlei Rechtfertigung", sagte Cair-Direktor Nihad Awad. "Wie kann so jemand glauben, für uns zu sprechen? Er ist das Gegenteil von allem, wofür wir stehen, als Muslime und als Amerikaner", sagte Awad. Der Täter von Orlando sei auch nach islamischem Recht ein Gesetzloser.

US-Ermittler haben bisher keine Beweise für eine direkte Kommunikation zwischen dem mutmaßlichen Schützen und Mitgliedern des IS, wie der ranghöchste Demokrat im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, Adam Schiff, mitteilte. Es sei indes möglich, dass der mutmaßliche Angreifer sich selbst radikalisiert habe, wenn auch nicht "unter Kommando und Kontrolle des IS".

Gleichwohl könne sich diese Einschätzung noch ändern, sagte Schiff weiter. Es sei zu früh, um sagen zu können, ob die Attacke hätte verhindert werden können. Vor seinen Äußerungen hatte sich Schiff mehrmals vom FBI über den Stand der Ermittlungen informieren lassen.

Die US-Bundespolizei hatte bereits 2013 gegen den mutmaßlichen Schützen wegen möglicher Verbindungen zu Terroristen ermittelt. Damals ging es um hetzerische Aussagen, die der Verdächtige gegenüber Arbeitskollegen gemacht haben soll. Im Jahr darauf prüfte das FBI mögliche Kontakte zwischen dem mutmaßlichen Attentäter und Moner Mohammad Abu Salha, dem ersten Amerikaner, der in Syrien einen Selbstmordanschlag verübte. Beide Ermittlungen wurden eingestellt.