Gewaltausbruch in Papua-Neuguinea: Auf Studenten, die gegen die Regierung demonstrierten, hat die Polizei am Mittwoch das Feuer eröffnet. Medienberichten zufolge soll es vier Tote und mehrere Verletzte geben. Mit einem Protestzug zum Parlamentsgebäude hatten die Studenten Druck auf den unter Korruptionsverdacht stehenden Ministerpräsidenten Peter O'Neill ausüben wollen, dessen Rücktritt sie fordern.

Aus Protest boykottieren die Studenten in dem verarmten pazifischen Inselstaat seit einem Monat den Unterricht. Einer der Demonstrierenden berichtete im australischen Fernsehsender ABC über den Hergang der Ereignisse: "Sie haben Schüsse abgefeuert, sie haben direkt in die Menge geschossen", sagte Gerald Peni. "Viele Studenten sind gestürzt, sie waren verletzt. Ich weiß nicht, wie viele Opfer wir jetzt haben."

Der studentische Protestzug sei außerhalb des Universitätsgeländes auf zahlreiche bewaffnete Polizisten gestoßen, die das Feuer eröffnet hätten, berichtete der Fernsehsender EMTV – der allerdings nur von Verletzten spricht. Vor dem Krankenhaus, in das die Verletzten eingeliefert worden seien, habe sich eine große Menschenmenge gebildet.

Die Außenministerin des Nachbarlands Australien, Julie Bishop, rief alle Seiten zu Zurückhaltung auf. Das "Recht auf friedlichen und legalen Protest" müsse respektiert werden, sagte sie. Sie werde Kontakt zu ihrem Amtskollegen in Port Moresby aufnehmen. Ihre Regierung versuche zunächst, Details zu den Opfern in Erfahrung zu bringen.

Die Schüsse auf die Studenten stellen die jüngste Eskalationsstufe eines zweijährigen Konflikts dar. 2014 hatte die Justiz in Papua-Neuguinea einen Haftbefehl gegen Regierungschef O'Neill erlassen. Er steht im Verdacht, umgerechnet Millionen von Euro an Staatsgeldern für betrügerische Rechnungen einer Anwaltskanzlei ausgezahlt zu haben.

In Reaktion auf den Haftbefehl entließ O'Neill den Polizeichef, den Generalstaatsanwalt und zahlreiche weitere Justiz- und Polizeiangehörige. Die Antikorruptionsbehörde löste er auf. Am Mittwoch sollte sich O'Neill im Parlament einem Misstrauensantrag der Opposition stellen.