Der frühere Bankier Pedro Pablo Kuczynski hat die zweite Runde der Präsidentenwahl in Peru knapp gewonnen. Tagelang waren die Stimmzettel ausgezählt worden, bevor das vorläufige Endergebnis feststand. Demzufolge stimmten knapp 41.000 Peruaner mehr für Kuczynski als für seine rechtspopulistische Konkurrentin Keiko Fujimori – es ist das engste Ergebnis in Peru seit 1962. Die Beteiligung der knapp 23 Millionen Wahlberechtigten lag bei 80 Prozent.

Der rechtsliberale Kuczynski rief nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses zur Einheit auf. "Lasst uns nicht den Dialog mit Schwäche verwechseln", sagte der Sohn eines vor den Nazis ins Exil geflohenen deutschen Arztes. Kuczynski sagte, seine Regierung werde im Namen von ganz Peru arbeiten, "weil viele Peruaner das Gefühl haben, der Zug wäre ohne sie abgefahren. Wir wollen alle an Bord haben". Zum Schluss seiner Amtsperiode 2021 werde er ein renoviertes Land übergeben.

Die erste Runde der Wahl am 10. April hatte noch Fujimori deutlich gewonnen. Vor der Stichwahl teilte die Drittplatzierte, Linksabgeordnete Verónika Mendoza, dann mit, dass sie Kuczynskis Kandidatur unterstütze. Im ersten Wahlgang hatte sie 19 Prozent der Stimmen erhalten. Viele ihrer Wähler folgten offenbar Mendozas Ratschlag.

Kuczynski profitierte auch von der starken Abneigung breiter Bevölkerungsschichten gegen den Vater seiner Konkurrentin, den Ex-Präsidenten Alberto Fujimori. Er ist wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen während seiner Amtszeit (1990–2000) zu 25 Jahren Haft verurteilt worden, außerdem wegen Korruption.

Vor allem die Mittelschicht hatte Kuczynski unterstützt, bei den ärmeren Bevölkerungsschichten kam er weniger gut an. Im Wahlkampf hatte er oft auf seine Erfahrung als ehemaliger Wall-Street-Banker und Wirtschaftsminister verwiesen. Der 77-Jährige gab an, er sei möglicherweise nicht mehr der Jüngste, aber "im Köpfchen völlig klar". Er versprach, Arbeitsplätze zu schaffen und die Korruption zu bekämpfen.

Wenig Unterstützung im Parlament

In seinem Regierungsprogramm setzt Kuczynski auf eine Erleichterung der Auflagen für Investitionen. Die Wirtschaft sei zu einseitig auf die Erzexporte nach China ausgerichtet. Es müssten rasch neue Marktbereiche erschlossen werden, vor allem die Agrarindustrie und der Tourismus.

Im 130 Mandate zählenden Parlament wird Kuczynski mit der absoluten Mehrheit der 73 Abgeordneten von Fujimoris Partei Fuerza Popular (Volkskraft) auskommen müssen. Der gewählte Präsident kann sich mit seiner Partei nur auf eine Fraktion von 18 Abgeordneten stützen. Sie ist damit sogar noch kleiner als die Fraktion der linken Koalition Frente Amplio (Breite Front) mit 20 Parlamentariern. Die Linke hat bereits klargestellt, dass sie Kuczynski zwar zum Sieg in der Stichwahl verholfen habe, aber im Parlament in der Opposition stehen werde.

Kuczynski folgt auf den linksnationalen Ollanta Humala. Sein Amt wird er am 28. Juli antreten.