Bei einer Großdemonstration gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform in Frankreich ist es zu schwerer Randale gekommen. In der Hauptstadt Paris hätten "Hunderte vermummte Personen" Gegenstände auf Polizisten geworfen, sagte die Polizeipräfektur. Der Polizei zufolge wurden bei den Ausschreitungen 26 Menschen verletzt, darunter 20 Polizisten. 21 Personen sind laut Polizei verhaftet worden.

Randalierer seien unter anderem in eine Baustelle eingedrungen, hätten Paletten mitgenommen und diese auf Beamte geworfen, teilte die Polizeipräfektur mit. Die Behörden riefen Demonstranten dazu auf, sich von Randalierern fernzuhalten, um die Arbeit der Polizei zu erleichtern.

Den Zehntausenden, die in der Hauptstadt auf die Straße gingen, schlossen sich auch die Mitarbeiter des Eiffelturms an. Der größte Besuchermagnet des Landes musste daher schließen. "Der Kampf ist noch lange nicht vorbei", sagte Philippe Martinez, Chef der für ihre harte Haltung bekannten Gewerkschaft CGT. Etwa 700 Busse brachten Demonstranten aus ganz Frankreich nach Paris.

Polizei verbannt Gewalttäter aus Innenstadt

Nachdem es schon bei früheren Demonstrationen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen war, hatte die Polizei vorsorglich 130 potenzielle Gewalttäter aus dem Innenstadtbereich verbannt, wie Polizeipräfekt Michel Cadot mitteilte. Die Polizei in Paris ist angesichts der Terrorgefahr während der Fußballeuropameisterschaft ohnehin in höchster Alarmbereitschaft.

Parallel streikten erneut auch Mitarbeiter der Staatsbahn SNCF. Allerdings gab es deutlich weniger Zugausfälle als bei einem Streik vor zwei Wochen. Zeitgleiche Proteste von Taxifahrern behinderten zudem den Verkehr im Westen der Stadt. Sie wehren sich gegen neue Konkurrenz durch unregulierte Wettbewerber.

Trotz der seit Wochen anhaltenden Proteste beharrt die sozialistische Regierung von Präsident François Hollande auf den Reformen zur Liberalisierung des Arbeitsmarktes. Sie sehen vor, betriebsbedingte Kündigungen zu erleichtern und so die Hürde für Neueinstellungen zu senken, um die hohe Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen. Zuletzt hatte es weniger Proteste gegeben.

Die nach europäischen Standards berechnete Arbeitslosenquote ist mit zehn Prozent mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Fast jeder vierte junge Franzose hat keinen Job. Meinungsumfragen zufolge sind etwa 80 Prozent gegen die Arbeitsmarktreform. Eine Mehrheit spricht sich aber auch gegen die Proteste aus.

Frankreich - Proteste gegen Arbeitsmarktreform Die von Präsident François Hollande geplante Reform des Arbeitsmarktes hat in Frankreich für Proteste und Streiks gesorgt. Hollande will an dem Plan festhalten.