Nur einen Tag nach dem Attentat auf Polizisten in Istanbul sind bei einem Autobombenanschlag auf eine Polizeiwache im kurdisch geprägten Südosten der Türkei mindestens drei Menschen getötet und 30 weitere verletzt worden. Bislang sei bestätigt, dass ein Polizist und zwei Zivilisten getötet wurden, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım. Er machte die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für die Tat verantwortlich.

Der Anschlag ereignete sich vor der Polizeizentrale der Stadt Midyat nahe der syrischen Grenze. Eine schwarze Rauchwolke stieg über dem zerstörten Gebäude auf. Durch die Wucht der Explosion wurden die Fenster umliegender Häuser zerstört.

Yıldırıms Äußerungen wurden im Fernsehen übertragen. Er sprach zu Journalisten am Ort des Istanbuler Anschlags vom Vortag. Am Dienstag war in der Millionenmetropole ein Autobombenanschlag auf einen Bus mit Polizisten verübt worden. Dabei wurden sieben Polizisten und fünf Zivilisten getötet, 36 Menschen wurden verletzt. Bislang ist unklar, wer hinter diesem Anschlag steckt. Die PKK – und ihre in Metropolen operierende Splittergruppe TAK – verüben jedoch immer wieder Anschläge auf Sicherheitskräfte. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan schrieb ihr den Anschlag in Istanbul zu.

In Nusaybin rund 40 Kilometer südlich von Midyat hat die Armee erst vor wenigen Tagen eine groß angelegte Operation gegen die PKK für beendet erklärt. Nach Angaben der Streitkräfte wurden dabei seit Mitte März fast 500 PKK-Kämpfer getötet. Auch zahlreiche Angehörige der Sicherheitskräfte kamen ums Leben.

Türkei will Terrorgesetze nicht abschwächen

Angesichts der jüngsten Anschläge will die Türkei an ihren harten Terrorgesetzen festhalten. "Die Zwischenfälle von gestern und heute haben uns einmal mehr in unserer gerechtfertigten Position bestätigt", sagte Präsidentensprecher Ibrahim Kalin. Er bezog sich damit auf Forderungen der Europäischen Union, die Anti-Terror-Gesetze im Gegenzug für visafreie Reisen von Türken nach Europa zu lockern. "Es ist für uns unmöglich, irgendwelche Schritte zu unternehmen, die die Türkei in ihrem Kampf gegen den Terrorismus schwächen", sagte Kalin.

Die Verhandlungen über die Anti-Terror-Gesetze und die Visafreiheit sind Teil des Abkommens über den Rücktransport von Flüchtlingen aus Griechenland in die Türkei. Sollte in diesen Punkten keine Einigung gelingen, droht die gesamte Vereinbarung zu scheitern.

Die Visa-Freiheit zählt neben Milliardenhilfen zu den Zugeständnissen, die die EU der Türkei gemacht hat, damit das Land illegal in Europa eingereiste Flüchtlinge zurücknimmt. EU-Politiker kritisieren das Anti-Terror-Gesetz als zu weit gefasst. Befürchtet wird, dass auch Regierungskritiker darunter fallen könnten. Durch die Aufhebung der Immunität einer großen Zahl oppositioneller Abgeordneter im Nationalparlament wurden Vorwürfe befeuert, die türkische Regierung gehe immer schärfer gegen politische Gegner vor.