Der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım hat sich nach den ersten heftigeren Reaktionen der Türkei moderater zu den Folgen der Armenien-Resolution des Bundestages geäußert. "Ungeachtet der Umstände werden wir unsere Beziehungen zu unseren Freunden und Verbündeten fortsetzen", sagte Yıldırım. Deutschland sei ein wichtiger Verbündeter. Damit relativierte er Äußerungen von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, der ernsthafte Folgen angedroht hatte.

Yıldırım verwies darauf, dass nur etwa 250 der insgesamt 650 Bundestagsabgeordneten an der Abstimmung teilgenommen hätten. Die Türkei werde eine "angemessene Antwort" finden, das enge Verhältnis zu Deutschland aber nicht aufs Spiel setzen. "Niemand sollte erwarten, dass sich unsere Beziehungen zu Deutschland durch diese oder ähnliche Entscheidungen von jetzt auf gleich völlig verschlechtern."

In der türkischen Presse wurde am Freitag zum Teil drastische Kritik an Deutschland geübt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde mit Hitler-Bärtchen abgebildet. Einige Blätter brachten Schlagzeilen in deutscher Sprache wie "Dummkopf" oder "Schämen Sie sich!". Auch von Verrat war die Rede, insbesondere mit Blick auf türkischstämmige Bundestagsabgeordnete.

Am Donnerstag hatten alle Fraktionen im Bundestag nahezu geschlossen für eine Resolution gestimmt, in der die Tötung von bis zu 1,5 Millionen Armeniern sowie Aramäern und Angehörigen weiterer christlicher Minderheiten vor rund hundert Jahren im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet wird. Die Türkei lehnt die Bezeichnung ab.