Schon eine Stunde nach Beginn der Auszählungen am Super Tuesday berichteten die Sender Fox News und CNN: Hillary Clinton hat die Schwelle von 2.383 Delegierten für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten deutlich überschritten.

"Es ist das erste Mal in der Geschichte unseres Landes, dass eine Frau die Kandidatin einer großen Partei sein wird", sagte sie selbst kurz nach ihrem Wahlsieg im Bundesstaat New Jersey auf einer Kundgebung in New York. Tausende Anhänger jubelten ihr zu. "7. Juni 2016: Geschichte wird geschrieben", twitterte das Wahlkampfteam der Demokratin. Präsident Barack Obama gratulierte ihr.

Clinton hatte in New Jersey gegen ihren innerparteilichen Kontrahenten Bernie Sanders mit deutlich über 60 Prozent der Stimmen gewonnen. Damit gewann sie mehr als die Hälfte der 127 zu vergebenden Delegierten in dem Bundesstaat. Nach Angaben mehrerer TV-Sender gewann sie auch die Vorwahl in New Mexico.

Clinton gratulierte Sanders zu seinem Wahlkampf. "Er hat Millionen von Wählern, vor allem junge Leute begeistert", sagte sie. "Das war sehr gut für diesen Wahlkampf und für Amerika."

Sanders will jedoch nicht aufgeben. "Wir werden weiter darum kämpfen, die Vorwahl in Washington am nächsten Dienstag zu gewinnen", sagte er. Die New York Times berichtete allerdings, dass Sanders mindestens die Hälfte seines Wahlkampfstabs entlassen will. Das Blatt beruft sich auf zwei Informanten, die seinem Stab nahestehen.

Trump will Bernie-Anhänger abfischen

Donald Trump, voraussichtlicher Präsidentschaftskandidat der Republikaner, rief die Anhänger von Sanders auf, sich ihm anzuschließen. Ein "abgekartetes System" bei den Demokraten habe zu ihrer Niederlage bei den Vorwahlen geführt, sagt er in New York. "Wir heißen Sie mit offenen Armen willkommen."

Clinton ist jedoch weiter auf Superdelegierte angewiesen, die ihre Meinung theoretisch ändern können. Dabei handelt es sich um Parteifunktionäre und Amtsträger, die auf dem Nominierungsparteitag im Juli in Philadelphia frei entscheiden können, für wen sie stimmen werden. Wie viele von ihnen sie brauchen wird, hängt auch vom Ausgang der noch ausstehenden Vorwahlen ab.

Konkurrent Sanders gewann hingegen den Caucus der Demokraten in North Dakota. Laut Hochrechnungen der Sender Fox und MSNBC entschied er auch die Vorwahl im Bundesstaat Montana für sich. Am Dienstag wurde bei den Demokraten außerdem noch in New Mexico, South Dakota und Kalifornien gewählt, am nächsten Dienstag folgt der Hauptstadtdistrikt Washington, D.C.

Bernie Sanders hatte angekündigt, seinen Kampf bis zum Parteitag in Philadelphia fortsetzen zu wollen. Jüngst versprach er hingegen, sich nach dem Wahlergebnis in Kalifornien zu entscheiden.

Sanders kritisiert Vorwahlprognose

Sanders hatte zuvor geäußert, er sei "enttäuscht" und "aufgebracht", weil die Nachrichtenagentur AP seine Rivalin Hillary Clinton kurz vor der Vorwahl in Kalifornien zur voraussichtlichen Präsidentschaftskandidatin der Demokraten erklärte. In einem Interview des Senders NBC News sagte der Präsidentschaftsbewerber, es sei zweifelhaft, dass die AP-Zählung am Abend vor "der größten Vorwahl" durchgeführt worden sei. Sie basiere auf "anonymen" Bekenntnissen von Partei-Insidern und -vertretern, sagte er.

Die AP hatte am Montag gemeldet, dass Clinton die nötige Zahl an demokratischen Delegierten und Superdelegierten – insgesamt 2.383 – hinter sich vereint habe und damit zur voraussichtlichen Kandidatin der Partei werde. Die Zählung der Nachrichtenagentur basiert einerseits auf Delegierten, die die Bewerber bislang bei Vorwahlen gewonnen haben, und andererseits auf einer Umfrage unter den 714 Superdelegierten; ein Großteil sicherte Clinton Unterstützung zu.

Landesweit liegt die Demokratin Clinton laut einer Reuters/Ipsos-Umfrage etwa zehn Prozentpunkte vor dem Republikaner. Die am Dienstag veröffentlichte Erhebung ergab 44,3 Prozent für Clinton und 34,7 Prozent für Trump.

Bei den fünf Vorwahlen der Republikaner am Super Tuesday war Donald Trump einziger Kandidat. Er hatte bereits zuvor die Nominierungsschwelle überschritten und konnte sich weitere Delegierte sichern. Unmittelbar nach Clintons Sieg brachte Trump schwere Vorwürfe gegen sie vor. Die Demokratin habe das State Department in Washington in ihrer Zeit als US-Außenministerin "in ihren eigenen privaten Hedgefonds verwandelt", sagte Trump in einer Siegesrede in einem seiner Golfresorts bei New York City.

Clinton und ihr Ehemann, der frühere US-Präsident Bill Clinton, hätten "die Politik der persönlichen Bereicherung zu einer Kunstform für sich" gemacht, sagte Trump. Das Politikerpaar habe Regierungsverträge und "Zugang" verkauft, um sich selbst zu bereichern, warf der 69-Jährige den Clintons vor. Ihren umstrittenen privaten E-Mail-Server habe Hillary Clinton genutzt, um diese Praktiken zu verschleiern, deutete er an.

Seine Kritik an seinen Widersachern ist damit offenbar noch nicht erschöpft: Trump kündigte an, vermutlich am Montag eine große Rede über die Clintons halten zu wollen.

Trump ruft Republikaner zu Geschlossenheit auf

Der Milliardär rief seine Partei eindringlich zur Geschlossenheit auf. "Sie geben mir die Ehre, die Partei zu führen", sagte er. "Wir schließen nun ein Kapitel der Geschichte und beginnen ein anderes." Er gab sich in seiner Rede betont staatsmännisch und zurückhaltend, integrativ und positiv. Er danke seinen Wählern. "Und denen, die jemand anders gewählt haben, sage ich: Ich werde mich sehr, sehr anstrengen, um eure Unterstützung zu gewinnen."