Großer Erfolg für die Fünf-Sterne-Bewegung in Italien: Bei der mit Spannung erwarteten Stichwahl in Rom hat Virginia Raggi einen Sieg gefeiert. Sie gewann zwei Drittel der Stimmen. Bereits nach ersten Hochrechnungen räumte ihr Kontrahent Roberto Giachetti, der Kandidat der Partei von Ministerpräsident Matteo Renzi, am Sonntag seine Niederlage ein und gratulierte der Anwältin zum Sieg. "Ich bin für die Niederlage verantwortlich", sagte der 55-Jährige.

Die Wahlen galten als wichtiger Stimmungstest für Renzis Mitte-links-Regierung. Auch in Turin wird künftig eine Frau der 2009 als Protestinitiative gegründeten Movimento 5 Stelle (M5S) des Kabarettisten Beppe Grillo Bürgermeisterin. Die erst 31 Jahre alte M5S-Kandidatin und Unternehmerin Chiara Appendino löste überraschend den amtierenden Bürgermeister Piero Fassino ab.

In Rom gilt die künftige Bürgermeisterin Virginia Raggi als schlagfertig und glaubwürdig. Die Anwältin will ganz unten anfangen und vieles neu organisieren: Schlaglöcher in den Straßen auffüllen, neue Busfahrstreifen einrichten und mehr Fahrradwege schaffen. Großprojekte, wie etwa eine Bewerbung der Stadt um die Olympischen Spiele 2024, lehnt sie ab.

Rom, die Unregierbare

Auf die Siegerin wartet jedoch keine leichte Aufgabe: Niemand weiß so genau, wie hoch der massive Schuldenberg ist, der auf der Stadt lastet. Rom gilt als nahezu unregierbar und leidet schon lange unter Dreck, Smog, Korruption und verstopften Straßen – das Amt des Bürgermeisters hat so mancher politischen Karriere eher geschadet als genutzt. Zugutekam Raggi der Verdruss der Römer über Bestechung. Dutzende Personen, darunter Lokalpolitiker mehrerer Parteien, stehen unter Korruptionsverdacht.

Raggi hatte bereits die erste Wahlrunde vor zwei Wochen mit gut 35 Prozent der Stimmen klar gewonnen. Giachetti, Vizepräsident des italienischen Abgeordnetenhauses, war im ersten Durchgang auf knapp 25 Prozent der Stimmen gekommen. Die Stichwahl war notwendig geworden, weil keiner der beiden in der ersten Runde mehr als 50 Prozent der Stimmen erhielt.

Verfassungsreferendum im Oktober

Raggis Sieg in Rom ist für die Regierung ein herber Schlag. Die Fünf-Sterne-Partei erhoffte sich von den Wahlen und insbesondere dem Ergebnis in Rom einen Schub für ihre Festigung als größte Oppositionspartei. Spätestens im Juni 2018 finden in Italien Parlamentswahlen statt. Zudem muss sich Renzi im Oktober einem wichtigen Verfassungsreferendum stellen, das über seine politische Zukunft entscheiden wird.

Landesweit waren am Sonntag fast neun Millionen Wähler in insgesamt 126 italienischen Gemeinden aufgerufen, in Stichwahlen ihre Bürgermeister zu bestimmen, auch in Mailand, Neapel, Bologna und Triest. Renzis Kandidaten siegten in der Finanzmetropole Mailand und in Bologna. In Mailand gewann Giuseppe Sala, der Chef der 2015 zu Ende gegangenen Weltausstellung, gegen Stefano Parisi vom Mitte-rechts-Lager. Renzis Partito Democratico (PD) sprach in einer Mitteilung von einer "klaren Niederlage ohne mildernde Umstände" in Turin und Rom. 

Die Wahlbeteiligung lag mit 50,5 Prozent im ganzen Land noch einmal deutlich unter der vom ersten Durchgang Anfang Juni. Beobachter sprachen von einem "antipolitischen Wind" im Land, die Wahl sei von Protestwählern und Gleichgültigkeit bestimmt worden.