Als hätten Geert Wilders, Nigel Farage und Heinz-Christian Strache nur auf die Gelegenheit gewartet: Die rechtspopulistische Prominenz Europas macht unisono Angela Merkel politisch verantwortlich für die Angriffe von Würzburg, München und Ansbach. Ihre Flüchtlingspolitik, ihr "Wir schaffen das" aus dem vergangenen August seien schuld an den Gewaltakten, äußerten sie in den vergangenen Tagen. Diese Haltung ist nicht neu, wohl aber die Schärfe der Vorträge.

Die Hintergründe der konkreten Taten – Amok oder Terror, individuelle oder organisierte Attacke – ignorieren die Rechtspopulisten. Es geht ihnen darum, den eigenen ideologischen Dreiklang zu verbreiten, der so lautet: Deutschland hat sich nicht weitgehend abgeschottet, mit den vielen Flüchtlingen sind IS-Terroristen ins Land gekommen und die schlagen jetzt zu. Oder kurz: Merkel ist schuld. In diesen Sound stimmten einige internationale Medien mit ein. Doch es gibt auch Ausnahmen. Aber dazu später.

Zunächst ein Blick auf die öffentlichen Äußerungen europäischer Rechtspopulisten und auf einige Kommentare in Medien. Der Vorsitzende der niederländischen Partij voor de Vrijheid, Wilders, twitterte eine Fotomontage, die Merkel mit Blut befleckten Händen zeigt. Dank "feiger Typen" wie ihr und des niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte seien die Grenzen noch offen. Deshalb habe "der Islam" freies Spiel, schreibt Wilders: "Danke Angela und Mark fürs Reinlassen dieser Terroristen."

Auch der französische Front National nutzte den Selbstmordanschlag von Ansbach für Kritik an der deutschen Flüchtlingspolitik des vergangenen Herbstes: "Die Aufnahme von Migranten ist ein Wahnsinn, wie wir ständig warnen", schrieb Vize-Parteichef Florian Philippot auf Twitter. Die Abgeordnete Marion Maréchal-Le Pen, Nichte von Parteichefin Marine Le Pen, sagte: "Wie viele Terroristen gibt es unter Merkels Million Flüchtlingen? 10? 100? 1000? Unverantwortlich."

Der Chef der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), Heinz-Christian Strache, schrieb auf seinem Facebook-Account: "Eine grausame islamistische Terror- und Wahnsinnstat folgt der anderen quer durch Europa! Das sind die Folgen einer völlig verantwortungslosen 'Zuwanderungs- und Willkommenspolitik'." Die "Politik der offenen Grenzen und der falschen Toleranz" müsse beendet werden.

Ungarns Ministerpräsident Victor Orbán bezeichnete Einwanderung als Gift und sämtliche Flüchtlinge als Sicherheitsrisiko. "Jeder einzelne Migrant stellt eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und ein Terrorrisiko dar." Ähnlich äußerte sich Polens Innenminister Mariusz Błaszczak.