In Australien ist nach der Auszählung eines Großteils der Stimmen unklar, wer die Parlamentswahl gewonnen hat. Die konservative Regierungskoalition verlor überraschend viele Sitze, die linke Labor-Opposition legte zu. In der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) reichte es aber für keine Seite zum Sieg.

Das Endergebnis wird noch auf sich warten lassen: Am Sonntag pausiert nämlich die Auszählung. Es könne bis Dienstag dauern, bis die Briefwahlstimmen ausgezählt sind, sagte Regierungschef Malcolm Turnbull nach einem Gespräch mit Vertretern der Wahlkommission.

Insgesamt gibt es 150 Mandate. Für eine Mehrheit sind 76 nötig. Die Koalition kam nach Hochrechnungen auf 72 Sitze, Labor auf 66. In sechs Wahlkreisen war das Ergebnis noch unklar, die anderen gingen an kleine Parteien.

Beim letzten Wahlgang 2013 hatte die Koalition noch 90 Sitze geholt, Labor unter Oppositionsführer Bill Shorten 55.

Turnbull gibt sich siegessicher

Turnbull gab sich siegessicher und stellte in Aussicht, eine neue Koalitionsregierung zu bilden. "Wir haben allen Grund zu der Annahme, dass wir die Mehrheit schaffen und die nächste Regierung stellen", sagte er in der Nacht zu Sonntag (Ortszeit) – Stunden, nachdem das Ergebnis hätte vorliegen sollen. Für den Verlust von bis zu 18 Sitzen habe die Labor-Partei mit Wählerbetrug gesorgt, meinte er. Sie habe die Lüge verbreitet, seine Regierung wolle den Gesundheitsdienst privatisieren.

Labor-Chef Bill Shorten trat nach mindestens elf Sitzgewinnen wie ein Sieger auf, obwohl seine Partei nur eine geringe Chance auf die Regierungsbildung hat. "Labor ist zurück!" jubelte er vor Anhängern. Die Wähler hätten das Programm von Turnbull verschmäht.

Nach wochenlangem Kopf-an-Kopf-Rennen hatte die Koalition in letzten Umfragen noch leichte Zuwächse verzeichnet. Politologen erklärten das mit dem Brexit-Votum in Großbritannien. In unsicheren Zeiten hätten die Konservativen Vorteile, weil sie traditionell als Partei gelten, die die Wirtschaft gut steuert.

Turnbull hatte im Wahlkampf mehr Wachstum und Arbeitsplätze versprochen, Shorten mehr Ausgaben für Bildung und Gesundheit. Ein Thema, das viele Wähler bewegt, kam im Wahlkampf kaum zur Sprache: der Klimawandel. Die Konservativen wollen die wichtige Kohleindustrie nicht mit Auflagen zur Reduzierung der Emissionen belasten, Labor will die mehr als 50.000 Arbeitsplätze in der Industrie nicht gefährden.