Die Chancen eines EU-Beitritts haben sich für die Staaten auf dem westlichen Balkan durch den Brexit nicht verschlechtert. Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Westbalkangipfel in Paris. "Es hat sich mit der Entscheidung Großbritanniens nichts geändert", sagte Merkel. Entsprechende Befürchtungen seien den Staaten auf der Konferenz genommen worden.

Ähnlich äußerten sich der französischen Präsident François Hollande und der kroatische Ministerpräsident Tihomir Orešković. Trotzdem müssen Bedingungen erfüllt sein, "um einen Beitrittsprozess voranzubringen", sagte Merkel. Dabei habe jedes Land einen anderen Stand erreicht.    

In Paris berieten am Montag die Regierungschefs der Westbalkanstaaten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien mit Vertretern von EU-Staaten und der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini über eine Zusammenarbeit auf mehreren Gebieten. Gesprochen wurde auch über den Kampf gegen den Terrorismus und die Flüchtlingssituation. Der Balkan stand im Sommer im Zentrum der Flüchtlingskrise, da er von vielen Geflohenen als Transitzone nach Europa genutzt wurde.

Die Bundesregierung hatte die Balkankonferenzen angeregt, um die Zusammenarbeit unter den einst verfeindeten Staaten in der Region zu unterstützen. An der dritten Konferenz nahmen elf Staats- und Regierungschef teil. In wenigen Tagen will die EU-Kommission entscheiden, ob sie empfiehlt, mit Bosnien-Herzegowina Beitrittsverhandlungen zu eröffnen.

Die EU hatte den Ländern des westlichen Balkans 2003 die Perspektive eines Beitritts eröffnet. Allerdings wird die mögliche Erweiterung vielerorts kritisch gesehen, erst recht nach dem britischen Referendum zum Ausstieg aus der EU. "Neue Beitritte zur Europäischen Union stehen jetzt nicht an. Die Festigung der Europäischen Union hat jetzt Vorrang vor weiteren Erweiterungen", sagte der CDU-Europaabgeordnete David McAllister dem rbb. Grundsätzliche solle die EU aber für weitere Staaten offen bleiben.