Es war eine einfühlsame, aber auch kämpferische Rede von Barack Obama. Der US-Präsident würdigte bei der Gedenkveranstaltung für fünf getötete Polizisten in Dallas den täglichen und gefährlichen Einsatz aller Polizeibeamten in den USA. Und er gab sich hoffnungsvoll: Amerika habe schon viel erreicht. Auch in puncto Rassenhass und Diskriminierung. "Gegen alle Wahrscheinlichkeit sind wir schon so weit miteinander gekommen." Man müsse der Verzweiflung widerstehen und versuchen, im Leid irgendeinen Sinn zu sehen, sagte Obama. "Ich bin hier, um zu betonen, dass wir nicht so gespalten sind, wie es scheint."

Fünf leere Stühle, geschmückt mit je einer gefalteten Flagge und einer Polizeimütze auf der Lehne, erinnerten bei der Gedenkveranstaltung in Dallas an die fünf getöteten Polizisten, die am 7. Juli während einer Kundgebung gegen Polizeigewalt und Rassismus erschossen wurden. Der 25-jährige Attentäter wurde bei einem anschließenden Polizeieinsatz getötet. Obama erinnerte daran, dass das Leben in Amerika davon abhänge, dass Gesetze eingehalten würden. Dies hätten die fünf Beamten in der vergangenen Woche getan. Auf den Straßen Amerikas seien "keine Soldaten oder Milizen, sondern öffentlich Bedienstete", sagte Obama. Die USA seien auf der Herrschaft des Rechts begründet und die Arbeit der Polizei sei unentbehrlich.

Selbst als die Schüsse in der vergangenen Woche fielen, hätten die Polizisten von Dallas und auch die Demonstranten dabei geholfen, Menschen in Sicherheit zu bringen und sich um die Verletzten zu kümmern, sagte Obama. "Das ist das Amerika, das ich kenne", wiederholte er mehrfach.

Er sei nicht naiv, sagte Obama. Er wisse um die Probleme seines Landes, in dem es für Kinder einfacher sei, eine Waffe zu kaufen als ein Buch. Und er habe in seiner Amtszeit auf zu vielen Gedenkveranstaltungen gesprochen und zu viele Angehörige in den Arm genommen.

Obama sprach den Familien und Freunden der getöteten Polizisten sein Mitgefühl aus. Er erinnerte noch einmal an den vergangenen Mittwoch, der für die Polizisten in Dallas "wie jeder andere Tag begann: Sie sind aufgestanden, haben ihre Familien verabschiedet und sind zur Arbeit gegangen", sagte Obama. Aber die Polizeiarbeit sei eben keine normale Arbeit, sie bringe die Beamten Tag für Tag in Gefahr, erinnerte der Präsident. "In dem Moment, in dem sie die Uniform anziehen, haben sie die Frage mit Ja beantwortet, ob sie ihr Leben aufs Spiel setzen."