Im Prozess gegen die Terrorzelle von Verviers hat ein belgisches Gericht 15 Angeklagte zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und 16 Jahren verurteilt. Das Gericht befand drei Hauptangeklagte für schuldig, eine terroristische Vereinigung angeführt zu haben. Sie hätten auf Anweisung der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) Anschläge auf Polizisten sowie auf den Brüsseler Flughafen Zaventem geplant. Die übrigen Angeklagten wurden als Mitglieder dieser Terrorgruppe verurteilt, einige von ihnen auf Bewährung. Die Mehrheit der Beschuldigten war nicht zu dem Prozess erschienen. Manche sollen sich der Staatsanwaltschaft zufolge in Syrien aufhalten.

Spezialeinheiten der Polizei hatten im Januar 2015 in der ostbelgischen Stadt Verviers bei einem Anti-Terror-Einsatz Waffen, Munition, Sprengstoff und Polizeiuniformen gefunden. Zwei mutmaßliche Terroristen wurden bei dem Einsatz getötet, ein anderer wurde festgenommen. Laut Staatsanwaltschaft stand die Gruppe aus Syrien-Heimkehrern kurz vor einem Anschlag. Auch Abdelhamid Abaaoud, der Koordinator der Pariser Anschläge vom vergangenen November, befand sich in dem durchsuchten Haus. Er konnte der Polizei allerdings entkommen. Einige Zeit nach den Pariser Attentaten wurde er von der Polizei in Saint-Denis erschossen.

Richter Pierre Hendrickx sagte, es gebe Beweise dafür, dass die Islamistenzelle einen Angriff mit Waffen und Bomben auf den Flughafen Brüssel-Zaventem plante. Er hätte ähnlich verlaufen sollen wie der Anschlag, der sich dort im März tatsächlich ereignete. Zu den Brüsseler Attentätern sowie zu denen von Paris soll die Terrorzelle von Verviers Verbindungen gehabt haben. Die Anklage bezeichnete die Gruppe im Prozess als einen "Rohentwurf" der Zelle, die später Paris attackierte.

In Paris hatten islamistisch motivierte Attentäter an verschiedenen Orten 130 Menschen umgebracht. Am 22. März 2016 töteten drei Selbstmord-Terroristen mit Explosionen am Flughafen und in einer U-Bahn-Station in Brüssel 32 Menschen und sich selbst.

Der Verteidiger Xavier Carette bezeichnete es als unglaubwürdig und nicht haltbar, dass die Verurteilten tatsächlich einen Anschlag auf den Flughafen geplant haben sollen. Die Richter hätten ihr Urteil unter dem Eindruck der Terrortaten von Paris und Brüssel gefällt.