Ausgerechnet New Hampshire. Natürlich. Die Inszenierung gehört in der US-amerikanischen Politik dazu. Es war im Februar, früh im Vorwahlkampf der Demokratischen Partei, als Bernie Sanders für Hillary Clinton genau dort zu einem Problem wurde. Der als verschrobene Außenseiter im verknitterten Anzug gehandelte Konkurrent um die Nominierung für die Präsidentschaftswahl im November schlug Clinton in dem kleinen Bundesstaat im Nordosten des Landes mit 22 Prozent Vorsprung. Die Monate, die folgten, wurden für Clinton zu einem Kampf. Gegen Sanders, mit sich selbst und gegen eine linke Bewegung, die plötzlich einem 74-jährigen Senator aus Vermont zujubelte.  

 

Fünf Monate später standen Clinton und Sanders am Dienstag das erste Mal gemeinsam auf einer Bühne. In Portsmouth versicherte Sanders endlich seine Unterstützung für Clintons Präsidentschaftswahlkampf gegen den Republikaner Donald Trump. "Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um sicherzustellen, dass sie die nächste Präsidentin der USA wird", sagte Sanders und referierte die Gemeinsamkeiten der Demokraten: Bildung, Fürsorge für die Mittelschicht, Klimawandel und die Stärke einer vielfältigen Gesellschaft. Die Differenzen, die sich im Vorwahlkampf gezeigt hätten, gehörten zu einer Demokratie dazu. Auch Clinton fand freundliche Worte für Sanders: "Ich bin stolz, gemeinsam mit dir gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen."

Lange hatte Sanders sich geziert, an Clintons Seite zu stehen und die Demokraten zu vereinen. Und immer noch wirkt dieser Schritt ein bisschen wie einer von Sanders Anzügen, der einfach nicht richtig passen will.

Kein Paar mit den größten Gemeinsamkeiten

Denn der Sanders, der Anfang Februar in eben jenem Portsmouth mit heiserer Stimme eine seiner vielen Reden hielt, wollte nichts weniger als eine politische Revolution starten: Gegen die großen Banken an der Wall Street, gegen ein korruptes Wahlkampfspendensystem, für kostenlose Bildung und mehr Mindestlohn. Aus sozialdemokratischer Sicht nicht gerade eine Revolution, für viele Amerikaner eine Ungeheuerlichkeit. Damit euphorisierte Sanders Linke, junge Wähler und vom Establishment Enttäuschte. "Feel the Bern" stand auf ihren T-Shirts, sie fühlten es. Für Hillary Clinton hingegen mochte der Funke nicht so recht überspringen. Zu bekannt, zu langweilig, zu sehr Establishment.

Doch nun heißt es nicht länger Clinton gegen Sanders, sondern Sanders mit Clinton. Nicht gerade ein Paar mit den größten Gemeinsamkeiten. Entsprechend langsam verlief die Annäherung, die nun in New Hampshire besiegelt wurde – dort hatte sich 2008 Clinton selbst mit einer gewissen Demut dem Wahlkampf von Barack Obama angeschlossen.

Nun hat Clinton ihrerseits einiges getan, um Sanders und damit auch seine Anhänger zu überzeugen, sich ihr anzuschließen und Wahlkampf für sie zu machen. In der vergangenen Woche hatte sie angekündigt, Studiengebühren an öffentlichen Universitäten bis zu einer Einkommenshöhe von 125.000 Dollar im Jahr für Familien zu streichen, die ihre Kinder im eigenen Bundesstaat zur Uni schicken. Eine Ankündigung, die nicht so weit reicht wie Sanders Pläne, seinen Vorstellungen aber entspricht. Auch beim Thema Krankenversicherung näherte sich Clinton an. Sie sprach sich dafür aus, Obamas Gesundheitsreform weiter auszubauen. "Ich gratuliere Außenministerin Clinton zu dieser extrem wichtigen Initiative", sagte Sanders daraufhin gegenüber Journalisten.