Die Rechte von Bürgern der Europäischen Union (EU) in Großbritannien nach dem Brexit sind im britischen Parlament umstritten. Der für Einwanderung zuständige Minister, James Brokenshire, sagte, er würde EU-Bürgern keine Bleibegarantie aussprechen. Für ihn sei eine solche Zusage unklug. Es geht um die Frage, ob die etwa drei Millionen EU-Bürger, die in Großbritannien leben, das Land verlassen müssen, wenn Großbritannien aus der EU ausscheidet.

Brokenshire sagte, er würde sich nur für eine solche Garantie einsetzen, wenn auch die EU Briten die selben Rechte gewährt. Brokenshire sagte im Londoner Unterhaus, dass sich für EU-Bürger im Vereinigten Königreich vorerst nichts ändern werde. Der Minister für Einwanderung hob zugleich den immensen Beitrag von EU-Bürgern zur britischen Wirtschaft, dem Gesundheitssystem und den Schulen hervor.

Die deutschstämmige Labour-Abgeordnete Gisela Stuart, die für den Brexit geworben hatte, sagte, die Regierung habe die Pflicht, Menschen sicheres Planen zu ermöglichen: "Menschen sind keine Verhandlungsmasse." Bildungsministerin Nicky Morgan von den Konservativen, die gegen den EU-Austritt der Briten war, sagte, alle bereits im Land lebenden EU-Bürger sollten bleiben dürfen.

Migration, auch aus der EU, war eines der Kernthemen in der Diskussion um einem Austritt Großbritanniens aus dem Staatenbund. Den Unterstützern der Brexit-Kampagne wurde vorgeworfen, mit Stimmung gegen Ausländer Unterstützer für den Austritt gewonnen zu haben und so das Land zu spalten.

Der scheidende britische Premierminister David Cameron hatte sich vor der Abstimmung mit den anderen Ländern der EU auf eine Sonderregelung für Großbritannien bei den Sozialleistungen geeinigt. Ergänzende Sozialleistungen dürften demnach im Falle eines ungewöhnlich starken Zuzugs nur an EU-Ausländer gezahlt werden, die bereits vier Jahre in Großbritannien arbeiten. Diese Regelung wäre bei einem Verbleib des Königreiches in der EU in Kraft getreten und sollte einen Austritt verhindern.

Die Briten hatten in einer Volksabstimmung am 23. Juni mit einer Mehrheit von rund 52 Prozent entschieden, die EU zu verlassen. Formelle Austrittsverhandlungen will der scheidende Premierminister David Cameron seinem Nachfolger überlassen. Dieser soll bis zum 9. September gefunden sein. Nach dem Brexit-Vote wurden in Großbritannien immer wieder Berichte über fremdenfeindliche Übergriffe gegen Muslime und Migranten bekannt. Von den europäischen Migranten waren demnach vor allem Polen betroffen.