Nach sechs Jahren und 215 Kabinettssitzungen ist die Amtszeit von David Cameron quasi beendet. "Es war mir eine Ehre und ein Vergnügen", waren die letzten Worte des Premiers, der am heutigen Dienstagnachmittag seine letzte Kabinettssitzung leitete. Morgen wird er das Amt freigeben für die bisherige Innenministerin Theresa May.

May sei die richtige Person, um Großbritannien in den kommenden, schwierigen Jahren zu führen, sagte Cameron. Die Konservative könne sich seiner Unterstützung und Freundschaft sicher sein. Politiker berichteten nach der Sitzung, Cameron habe "viele wunderbare Ehrungen" bekommen. Minister hätten als Zeichen der Zustimmung und des Tributs auf den Kabinettstisch geschlagen. Laut Kulturminister John Whittingdale lag ein "Hauch von Traurigkeit" über dem Treffen.

Zeitgleich fuhr in der Londoner Downing Street schon der Umzugswagen vor, um die Besitztümer der Familie Cameron einzuladen. Der Wechsel an der Spitze der britischen Regierung wird jetzt sehr viel schneller gehen, als Cameron noch nach der Brexit-Entscheidung angekündigt hatte. Nicht Anfang Oktober, sondern bereits am morgigen Mittwoch wird May die Amtsgeschäfte übernehmen.

Das offizielle Prozedere sieht vor, dass Königin Elizabeth II. zunächst das Rücktrittsgesuch Camerons annehmen wird. Dann wird May von der Queen empfangen. Als neue Premierministerin wird sie die Nummer 13 in der Liste der Regierungschefs unter der Queen sein – und nach Margaret Thatcher die zweite Frau. 

May hatte beim Referendum für einen Verbleib in der Union plädiert, hielt sich aber mit ihrer Meinung im Wahlkampf zurück. Die 59-Jährige gilt als EU-kritisch und resolut, Beobachter verglichen sie bereits mit der Eisernen Lady Thatcher.

May will Großbritannien aus der EU führen

Als Premierministerin wird sie die schwierige Aufgabe haben, ihr Land aus der EU zu führen. Dazu gebe es nach dem Referendum keine Alternative, sagte sie bereits am Montag. Den entsprechenden Antrag bei der EU will sie aber nicht vor Jahresende stellen. Die Euro-Finanzminister befürchten negative Auswirkungen des Brexit-Votums auf die europäische Wirtschaft. Die andauernde Unsicherheit, vor allem unter Investoren, könne mittelfristig die Wachstumsaussichten der EU und der Eurozone beeinflussen, hieß es.

Deutschland und Irland setzen auf eine baldige Positionierung der neuen Regierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte nach einem Gespräch mit dem irischen Ministerpräsidenten Enda Kenny in Berlin, Aufgabe der künftigen Premierministerin werde es sein, "dann auch einmal Klarheit zu gewinnen über die Frage, welches Verhältnis möchte Großbritannien in Zukunft zur Europäischen Union aufbauen". Weiter sagte Merkel, die Entscheidung liege natürlich bei der Regierung in London, wann sie den EU-Austritt beantrage. Kenny sagte: "Wir hoffen, dass die Wartezeit eine relativ kurze sein wird."