Es war im Oktober vergangenen Jahres. Donald Trump war damals nicht mehr als eine amüsante Erscheinung im Vorwahlkampf der Republikaner und er gab noch Interviews in Medien, die er mittlerweile als voreingenommen beschimpft. Trump saß in seinem Büro in New York und sprach über den Umgang mit Twitter. Ein soziales Netzwerk, das er schon damals mit seiner Präsenz dominierte. Tweets zu löschen sei keine gute Idee, sagte Trump der New York Times. "Aus meiner Sicht wird es eine größere Story, wenn man etwas löscht, als wenn man es stehen lässt."

Neun Monate später hat der designierte Präsidentschaftskandidat seine eigenen Worte wohl vergessen. Am Wochenende löschte der Republikaner einen Tweet, der ihn seitdem mehr beschäftigt, als ihm lieb sein dürfte. Der Tweet zeigte ein Bild, auf dem Hillary Clinton, 100-Dollar-Scheine und ein Stern, der den Umrissen des Davidsterns sehr nahe kommt, zu sehen sind. In dem Stern stand "Most Corrupt Candidate Ever!" – "Korrupteste Kandidatin aller Zeiten!"

Die Nähe zu anti-jüdischen Ressentiments löste die erwartbare Kritik aus. Der Tweet verschwand und kurze Zeit später ging eine Version online, in der der Stern durch einen Kreis ersetzt worden war. Doch die Aufregung war garantiert, unzählige Artikel beschäftigten sich mit dem Tweet und den möglichen Deutungen. Am Montag reagierte auch Clintons Wahlkampfteam. In einem Statement nannte es den Tweet "offenkundig antisemitisch".

Und was macht Trump? Setzt noch einen Tweet ab: "Verlogene Medien geben ihr Bestes, um einen Stern in einem Tweet lieber zum Davidstern zu machen als zu einem Sheriff-Stern oder einfach nur einem Stern." Mehr als 19.000 Menschen gefällt dieser Tweet.

Einsicht sieht anders aus, Trump geht wie immer frontal nach vorn. Es oblag seinem Social-Media-Chef, Dan Scavino, auf Facebook ein Statement zu veröffentlichen, in dem er sich zwar nicht für die Auswahl des Sterns als Symbol entschuldigte, wohl aber schrieb, er wolle niemanden beleidigen und habe den Tweet deshalb entfernt.

Kein anderer Politiker dominiert die sozialen Netzwerke so sehr wie Donald Trump. Der 70-Jährige ist bei Twitter, Facebook, Instagram, Periscope. Twitter ist dabei eine seiner effektivsten Plattformen, die Reichweite immens. Laut einer Analyse von SocialFlow, einem Unternehmen, das für seine Kunden Reichweiten in sozialen Netzwerken optimiert, war Trump im Januar der Prominente, über den am meisten getwittert wurde. Weit vor Justin Bieber.

Trumps Erfolg speist sich dabei genauso aus negativen Reaktionen – wie das jüngste Davidstern-Beispiel zeigt – wie auch aus positiven. Mehr als 9,5 Millionen Menschen folgen Trump, Clinton hat nur 7,2 Millionen Follower. Es sind vielfach loyale Fans, die Trump bei Kritik verteidigen und seine Inhalte teilen und multiplizieren. Trump zieht Hass wie Bewunderung gleichermaßen auf sich, kaum ein Politiker hat mehr Potenzial, zu einem Meme zu werden, als der 70-Jährige. Die über das Eigenleben von Trumps Haaren sind legendär, natürlich haben die Haare ihren eigenen Twitter-Account.

Das alles hilft Trump, die Marke Trump weiter zu vermarkten. Es ist unbezahlbare Werbung in einem Wahlkampf, in dem Trump bis jetzt noch keine ausgefeilte Strategie jenseits der eigenen Vermarktung offenbart hat. Aber er hat ja sich und sein Handy.