Schon wieder eine Krönung in Cleveland. Erst vor ein paar Wochen hatten die Massen hier LeBron James zugejubelt, dem Superstar der Cleveland Cavaliers, der mit seinem Team die Meisterschaft der amerikanischen Basketballliga NBA gewonnen hatte. In dieser Woche geht es um viel mehr: Die Republikaner wählen Donald Trump zu ihrem Präsidentschaftskandidaten. Die Partei gibt den 70-jährigen Multimilliardär damit für die heiße Phase des Wahlkampfs frei. Am Ende könnte er tatsächlich als US-Präsident ins Weiße Haus einziehen.

Trump will aus dem Nominierungsparteitag im Bundesstaat Ohio ein riesiges TV-Spektakel machen – tagelang soll Amerika nur auf ihn schauen, so stellt er sich das vor. 15.000 Journalisten reisen an, um die viertägige Veranstaltung zu begleiten. Seit Wochen arbeitet Trumps Team daran, die Quicken Loans Arena im Herzen Clevelands seinen Vorstellungen anzupassen. Doch die Vorbereitung macht Probleme: Bislang ist der Ablauf der Veranstaltung noch völlig diffus, die Sicherheitslage ist angespannt und insgeheim hoffen wohl einige Republikaner, Trump doch noch zu Fall zu bringen. Drei wichtige Fragen sind noch offen.

Wollen die Republikaner Trump überhaupt?

Trump hat die Partei gespalten, seine Tiraden gegen Frauen, Muslime und Hispanics gehen sogar den meisten konservativen Republikanern zu weit. Vielen Wählern hingegen spricht er aus der Seele. Und genau deshalb sind die Republikaner jetzt auf ihn angewiesen. Denn Trumps Triumph bei den Vorwahlen macht seine Nominierung alternativlos – ein Coup gegen ihn auf dem Parteitag wäre ein Schlag ins Gesicht der 14 Millionen US-Amerikaner, die bei den Vorwahlen für Trump gestimmt haben und ihn über alle seine zahlreichen Konkurrenten siegen ließen.

Das Regelkomitee der Republikaner hat Trump deshalb vergangene Woche den Weg zur Kandidatur geebnet: Anders als von vielen seiner Kritiker gefordert, müssen die Delegierten sich bei der offiziellen Nominierung auf dem Parteitag nun an die Wahl ihres Heimatstaates halten. Damit hat Trump die Mehrheit der Stimmen sicher. Eine Enttäuschung für seine Gegner, doch die Parteiführung hat akzeptiert, dass es ohne Trump nicht geht.

Dass jedoch nicht alle Republikaner mit Trumps Wahl einverstanden sind, zeigt auch das Programm des Parteitags: Für die Krönung seiner Vorgänger reiste regelmäßig die gesamte Parteiprominenz an, um den Kandidaten mit Reden vor der Delegiertenversammlung zu unterstützen. In diesem Jahr ist das anders. Bis zum Sonntagabend stand nicht fest, wer den öffentlichen Schulterschluss mit Trump wagen würde.

Echte Stars der Partei steigen für ihn diese Woche wohl kaum in den Ring: Seine Frau Melania wird sprechen, seine Tochter Ivanka, seine Söhne Donald Trump junior und Eric. Auch Gouverneur Chris Christie und Alabamas Senator Jeff Sessions, die Trump schon früh in seinem Wahlkampf unterstützt hatten, treten diese Woche in Cleveland auf. Von Ex-Präsidenten und berühmten Wahlkämpfern ist aber erst mal keine Spur. 

Noch immer wehren sich einige prominente Mitglieder der Grand Old Party gegen eine Kandidatur Trumps. Mitt Romney und John McCain, der die Präsidentschaftswahl im 2012 im Duell gegen Barack Obama verlor, kündigte an, dem Parteitag in Cleveland fern zu bleiben. Auch Trumps einstiger Konkurrent Jeb Bush erklärte, er könne es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, für den designierten Kandidaten seiner Partei zu stimmen, schließlich sei der "kein einwandfreier Konservativer". Sein Bruder, der Ex-Präsident George W. Bush, ließ sich ebenso entschuldigen. In Vorjahren wären Abweichler vom Rang Romneys und Bushs ein Skandal gewesen – heute sind sie nur eine Randnotiz im turbulenten Trump-Zirkus.