Hillary Clinton schreibt Geschichte: Die 68-Jährige ist von den US-Demokraten offiziell zur Präsidentschaftskandidatin gekürt worden – und damit die bislang erste Frau mit realistischen Aussichten auf das höchste US-Staatsamt. Als erste Präsidentin wolle sie Frauen den Weg ebnen, kündigte sie an: "Sollten da draußen einige kleine Mädchen sein, die lange aufbleiben und zuschauen durften, lasst mich nur sagen: Ich könnte die erste Präsidentin sein– aber eine von euch ist die nächste."

Clinton wandte sich in einer Videobotschaft an die Delegierten des Parteitags, ihr eigentlicher Redeauftritt ist – wie bei den Nominierungsparteitagen üblich – erst am letzten Tag des Konvents am Donnerstag geplant. Ihre Partei habe "eben den größten Sprung in diese Glasdecke" geschlagen, sagte sie. Auf Twitter nannte sie ihre Nominierung schlicht "Geschichte".

Die ehemalige Senatorin, Außenministerin und First Lady ist die erste Frau in der 240-jährigen Geschichte des Landes, die von einer der großen Parteien in das Präsidentschaftsrennen geschickt wird. Für ihre Nominierung hat sie seit Langem gekämpft. Vor acht Jahren war sie noch im internen Wettbewerb der Demokraten gegen den späteren Präsidenten Barack Obama unterlegen. Nun muss sie sich gegen republikanischen Kandidaten Donald Trump durchsetzen. Der Immobilienmilliardär war in der vergangenen Woche in Cleveland zum Kandidaten seiner Partei gekürt worden.

Clinton-Kür per Akklamation

Bei der Parteitagsabstimmung in Philadelphia hatte Hillary Clinton zuvor 2.842 Delegiertenstimmen erhalten, womit sie deutlich über der bei 2.382 Stimmen liegenden Schwelle zur erforderlichen absoluten Mehrheit lag. Der linksgerichtete Bernie Sanders, der sich in den Vorwahlen eine hitzige Auseinandersetzung mit Clinton geliefert hatte, kam auf 1.865 Stimmen.

Es war denn auch der Senator aus Vermont, der den Sieg Clintons verkündete. Als in dem langwierigen Abstimmungsprozedere – alle 50 Staaten und Territorien verkünden in alphabetischer Reihenfolge das Ergebnis der Vorwahlen – sein Heimatstaat aufgerufen wurde, unterbrach Sanders diesen Zahlenreigen und bat die Delegierten um eine Kandidatenkür per Akklamation. Die mehr als 4.700 Delegierten ließen sich nicht lange bitten und kürten mit einem in Jubel untergehenden "Aye" Hillary Clinton zu ihrer Kandidatin an. Der gleichen Geste hatte sich übrigens Clinton selbst bedient, als sie 2008 im Nominierungsrennen Barack Obama unterlegen war, um zu zeigen, dass ihre Rivalität endgültig vorbei sei.

"Seitdem gehen und reden und lachen wir"

Eine leidenschaftliche und liebevolle Wahlempfehlung für seine Frau gab zuvor der frühere Präsident Bill Clinton gab, die ihm 24 Jahre nach seinem ersten Wahlsieg ins Weiße Haus folgen will. "Ihr solltet sie wählen, weil sie nicht aufgibt, auch wenn es schwierig wird. Sie wird euch nicht im Stich lassen", sagte der 69-Jährige und sprach auch jene Wähler an, die in der Politikveteranin nicht die Verkörperung des erwünschten Politikwechsels sehen. "Natürlich ist sie schon lange dabei, klar", sagte er und fügte hinzu: "Es hat sich aber für jedes Jahr gelohnt, das sie nutzte, um das Leben der Menschen besser zu machen."

Eröffnet hatte Bill Clinton seine Rede mit persönlichen Anekdoten über die Anfänge seiner Liebe zu seiner Frau: "Ich habe ein Mädchen kennengelernt", sagte er zum Auftakt und beschrieb dann seine erste Begegnung mit Hillary Rodham im Jahr 1971, als sie beide an der Universität Yale Jura studierten. Damals sei sie auf ihn zugekommen und habe ihm gesagt, dass er ihren Namen wissen sollte, wenn er sie weiter anstarre. Schließlich habe er sie gefragt, ob sie nicht gemeinsam zu einem Kunstmuseum gehen wollten. "Seitdem gehen und reden und lachen wir", so Bill Clinton.

Sanders-Fans vs. Polizei

Insgesamt verlief der zweite Tag der Demokratenversammlung deutlich harmonischer als der Auftakt. Noch am Montag hatten zahlreiche Sanders-Anhänger ihren Unmut über die Kandidatin lautstark zum Ausdruck gebracht. Das Votum zur Kür Clintons verlief ungestört. Zur Entschärfung der Stimmung hatte auch Sanders selbst beigetragen, der in einer Parteitagsrede für Clinton geworben hatte.

Gleichwohl versuchten einige seiner Anhänger, das Pressezentrum beim Parteitag zu besetzen. Die Polizei drängte dabei mehrere Dutzend Parteitagsdelegierte ab, sie protestierten schließlich friedlich vor den Medienarbeitsräumen. "Dies ist ziviler Ungehorsam", sagte Deane Evans, Delegierte aus dem Bundesstaat Washington. Die Demokratische Partei habe den Vorwahlprozess torpediert. "Es geht hier nur um Superdelegierte", sagte Evans. Diese hätten sich schon auf Clintons Seite geschlagen, noch ehe Sanders überhaupt das Rennen aufgenommen habe. "Das hier ist alles nur eine Show", sagte ein Parteitagsteilnehmer aus Colorado.

Außerhalb des Konvents gerieten Sanders-Fans, die den ganzen Tag demonstriert hatten, mit der Polizei aneinander. Aktivisten begannen eine knapp 2,40 Meter hohe Absperrung an der Sicherheitszone rund um die Parteitagsarena zu erklimmen. Dabei wurden Etliche festgenommen. Gegen einen Aktivisten setzte ein Polizist Pfefferspray ein. Einige Delegierte brachten ihren Protest zum Ausdruck, indem sie sich den Mund mit Klebeband zuklebten.