Deutlich weniger Flüchtlinge als erwartet sind bislang über die Türkei in die EU gekommen, obwohl im Flüchtlingspakt große Kapazitäten bereitgestellt wurden. Wie die EU-Kommission mitteilte, reisten 798 Flüchtlinge im Rahmen des EU-Türkei-Abkommen bislang ein. 294 davon kamen nach Deutschland. Das deutsche Innenministerium hatte kürzlich bereits die Zahl von 292 syrischen Flüchtlingen bestätigt. 

Ende Juni war bekannt geworden, dass die Türkei syrische Flüchtlinge nicht in die EU ausreisen lässt, obwohl Deutschland ihnen bereits ein Visum erteilt hat. Es soll sich um gut ausgebildete Syrer wie Ingenieure oder Ärzte gehandelt haben.

Eigentlich sieht der im März geschlossene Flüchtlingspakt vor, dass die Türkei alle neu auf den griechischen Mittelmeerinseln ankommende Flüchtlinge zurücknimmt. Im Gegenzug verpflichtete sich die EU, für jeden so abgeschobenen Syrer einen anderen syrischen Flüchtling auf legalem Weg aufzunehmen. Dafür stehen 18.000 Plätze aus einer früheren EU-internen Übereinkunft zur Flüchtlingsumverteilung bis Mitte 2017 zur Verfügung.

Im Mai hatte die Türkei dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR allerdings mitgeteilt, dass der 1:1-Ausreisemechanismus nicht mehr für syrische Akademiker gelte. Normalerweise entscheidet das Flüchtlingshilfswerk, wer umgesiedelt werden darf. In den Verhandlungen mit der Türkei hatte die EU dieser aber Sonderrechte eingeräumt – nun darf die türkische Regierung die Auswahl treffen, was international unüblich ist.