Der mutmaßliche Rädelsführer der Putschisten in der Türkei hat seine Beteiligung an dem Umsturzversuch. "Ich bin niemand, der einen militärischen Putsch plant und leitet", sagte der ehemalige Luftwaffenchef Akın Öztürk der Staatsanwaltschaft. Zuvor hatte die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, er habe die Beteiligung an dem Umsturz eingeräumt.

Dieser Meldung hatten zwei private Fernsehsender widersprochen. Unter Berufung auf Öztürks Aussage bei der Staatsanwaltschaft berichten sowohl Habertürk als auch NTV, dass der ranghohe Militär jede Beteiligung verneint habe. Auch der Fernsehsender CCN Türk meldet: Öztürk soll gegenüber den Ermittlern gesagt haben, dass er nicht derjenige gewesen sei, der den Putsch geplant hat.

Er wisse nicht, wer den Umsturzversuch geplant und geleitet habe, sagte aber weiter: "Meinen Erfahrungen nach denke ich, dass die parallele Struktur (die des Predigers Fethullah Gülen) diesen militärischen Putschversuch durchgeführt hat. Aber ich kann nicht ermessen, wer innerhalb der Türkischen Streitkräfte diese Sache organisiert und realisiert hat. Was das betrifft, habe ich kein Wissen. Ich habe gegen diese Struktur sehr gekämpft."


Öztürk war nach der Niederschlagung des Putsches festgenommen worden. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Aus Regierungskreisen in Ankara war Öztürk als "der formale Anführer der Junta" bezeichnet worden. Der General gehörte bis zum Putschversuch dem Obersten Militärrat an.

In der Nacht zu Samstag hatte eine Gruppe von Militärs vergeblich versucht, die Macht im Land zu übernehmen. Laut Ministerpräsident Binali Yıldırım wurden insgesamt 312 Menschen bei dem Putschversuch getötet, unter ihnen 145 Zivilisten. Nach der Niederschlagung des Umsturzversuchs kündigte Präsident Erdoğan ein hartes Vorgehen gegen die Putschisten sowie die "Säuberung" der Armee an. Inzwischen wurden mehr als 7.500 Verdächtige festgenommen und mehr als 13.000 Staatsbedienstete suspendiert.