Bis zuletzt haben die Parteistrategen versucht, eine Kampfkandidatur von Bernie Sanders gegen Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidatin der Demokraten zu verhindern, aber genützt hat es nichts. Clinton hat auf dem Parteitag in Philadelphia nun offiziell Sanders als Gegenkandidaten. Es gebe diese zwei Bewerbungen um die Nominierung, sagte Versammlungsleiterin Marcia Fudge. Seine Kandidatur hatte der Senator aus Vermont im Vorfeld angekündigt. Die Parlamentsabgeordnete Tulsi Gabbard aus Hawaii hielt die Vorstellungsrede für Sanders.

Im Laufe des heutigen Abends soll bei einem sogenannten roll call die Kür Clintons zur Präsidentschaftskandidatin perfekt gemacht werden. Dabei verkündet jeder Staat, wie seine Delegierten in den Vorwahlen gestimmt haben.

Sanders hatte bei den Vorwahlen 1.846 Delegiertenstimmen gewonnen und sich damit Clinton knapp geschlagen geben müssen. Das bedeutet, dass Clinton einige der Stimmen der mehr als 700 sogenannten Superdelegierten benötigt. Das sind Parteifunktionäre und Mandatsträger, darunter auch Clintons Ehemann Bill, die nicht an Ergebnisse der Vorwahlen gebunden sind. Ein Sieg Clintons gilt jedoch als nicht gefährdet.

Am Montagabend hatte Bernie Sanders Hillary Clinton in einer umjubelten Rede seine Unterstützung für den Fall ihrer Nominierung zugesichert. Seine Anhänger demonstrieren während des Parteitages immer wieder gegen diese Entscheidung; Sanders rief sie mehrfach zum Verzicht auf Störungen auf. Die offizielle Kandidatur des Senators aus Vermont soll der Partei vor allem zeigen, wie stark seine politische Linie unterstützt wird.

Als denkbar gilt, dass Sanders das langwierige Roll-call-Prozedere am Abend unterbrechen und dazu aufrufen könnte, Clinton per Akklamation zur Kandidatin der Partei zu nominieren. So hatte es Clinton selbst gemacht, als sie 2008 Barack Obama unterlegen war, um zu zeigen, dass ihre Rivalität endgültig vorbei sei.