Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat über einen seiner Propagandakanäle den Anschlag von Nizza für sich reklamiert. Die der Terrormiliz nahestehende Onlineplattform Amaq meldete, dass der Angreifer ein Kämpfer des IS gewesen sei. Der 31-jährigen Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel hatte am französischen Nationalfeiertag mit einem Lastwagen mindestens 84 Menschen getötet und mehr als 200 weitere zum Teil schwer verletzt.

Das Motiv des Attentäters ist bislang nicht geklärt. Allerdings weise viel auf einen möglichen islamistischen Hintergrund hin, sagten französische Ermittler. "Die Art des Vorgehens entspricht weitestgehend den Mordaufrufen terroristischer Organisationen in Zeitschriften und Videos", sagte Generalstaatsanwalt Molins. Der Anschlag passt zu zwei expliziten Aufforderungen des IS an seine Anhänger aus den vergangenen Monaten: Sie sollen Frankreich und die Franzosen angreifen; sie sollen Menschen mit Lkws oder Autos attackieren.

Bouhlel soll jedoch nicht besonders religiös gewesen sein. Den tunesischen Behörden war er nicht wegen islamistischer Ansichten aufgefallen. Sein Vater sagte, er habe Depressionen gehabt.

Amaq ist eine dem IS nahestehende, dschihadistische Medien- und Propagandastelle. Sie meldete am Samstagvormittag, dass eine "Sicherheitsquelle" gesagt habe, der Attentäter von Nizza sei ein Kämpfer des IS. Er habe mit seinem Anschlag entsprechende Aufrufe des IS beantwortet, gegen die Anti-IS-Allianz vorzugehen – also gegen jene Länder, die den IS in Syrien und im Irak vor allem aus der Luft angreifen. Frankreich gehört dazu.

Diese Aussage ist noch nicht dasselbe wie ein offizielles Bekennerschreiben. In ähnlicher Weise hatte der IS auch auf den Anschlag von Orlando reagiert. Die sinnvollste Lesart eines solchen Kommuniqués ist, dass der IS den Anschlag von Nizza adoptiert, ihn sich zu eigen macht, selbst aber über kein Täterwissen verfügt. 

Schon am Samstagvormittag hatte die Polizei fünf Männer festgenommen. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Paris mit. Weitere Informationen gab es nicht. So blieben die Identität der Festgenommenen und die Gründe für die Verhaftung unklar. Nach Angaben aus Justizkreisen sollen sie aus dem engen Umfeld des Attentäters stammen. Auch die Ex-Frau des Täters wird weiter verhört. Ein Reuters-Reporter beobachtete, wie etwa 40 Elitepolizisten ein kleines Appartement in der Nähe des Bahnhofs von Nizza stürmten. Dort wurde eine Person verhaftet.

Das französische Sicherheitskabinett trat in Paris abermals zusammen, um über die Folgen des Attentats zu beraten. An dem Treffen nehmen neben Präsident François Hollande unter anderem Premierminister Manuel Valls sowie die Minister für Inneres und Verteidigung, Bernard Cazeneuve und Jean-Yves Le Drian sowie Generalstabschef Pierre de Villiers teil.

In Frankreich gilt seit heute eine dreitägige Staatstrauer. Für Montagmittag ist eine landesweite Schweigeminute geplant.