Mit rund 40 Außen- und Verteidigungsministern aus verbündeten Staaten haben die USA die künftige Strategie der von ihr geführten Militärkoalition gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) abgestimmt. Demnach soll es eine verstärkte Kraftanstrengung geben, um den IS nachhaltig außer Gefecht zu setzen. Beim Treffen der Anti-IS-Koalition sei eine Strategie verabredet worden, "die dem IS jene dauerhafte Niederlage zufügen soll, die er verdient", sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter.

Kern des geplanten Vorstoßes sei es, den IS aus dessen Hochburgen im irakischen Mossul und im syrischen Rakka zu vertreiben, sagte Carter, ohne weitere Details zu nennen. Stattdessen bezeichnete der Minister den IS als "Haupttumor", der anderswo immer wieder Metastasen bilde. Die internationale Koalition wolle die Miliz zurückdrängen und isolieren.

Vor allem im Irak will das internationale Bündnis seine militärischen Aktionen verstärken, sieht es den IS dort doch derzeit in der militärischen Defensive. Um dieses Momentum zu nutzen, kündigte etwa der britische Verteidigungsminister Michael Fallon die Verdoppelung der Militärausbilder seines Lands für den Irak auf 500 an. Die USA wiederum wollen ihre Truppen dort um rund 560 auf dann 4.600 Soldaten aufstocken. "Der Kampf gegen den IS ist offenkundig noch nicht vorbei", sagte US-Außenminister John Kerry. Allerdings habe sich die militärische Dynamik im Irak eindeutig zu Ungunsten der Dschihadisten verändert.

Die USA führen den militärischen Kampf gegen den IS mit mehreren Verbündeten. Nach Angaben aus Washington verlor die Miliz seit 2014 rund die Hälfte ihres Herrschaftsgebiets im Irak sowie 20 bis 30 Prozent ihres Gebiets in Syrien. Die Allianz selbst hat in den vergangenen zwei Jahren nach eigenen Angaben rund 14.000 Luftangriffe geflogen, bei denen auch viele Zivilisten getötet wurden. Der Chef des zuständigen US-Zentralkommandos sprach in diesem Zusammenhang von einem "sehr schwierigen Kampf". Die internationale Allianz bemühe sich in ihrem Vorgehen, "alles zu tun, um Zivilisten vor Schaden zu bewahren", versicherte General Joseph Votel.

Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian rechtfertigte die Angriffe mit Verweis auf die Sicherheit der Menschen in Europa. Der IS sei eine "Terroristenarmee, die sich ein Territorium geschaffen hat", sagte er. Von diesem Territorium würde er Terrorattacken in Auftrag geben, etwa die beiden Anschläge, "die Frankreich großes Leid zugefügt haben", sagte der Minister mit Bezug auf die Anschläge von Paris und Nizza.

Abseits der militärischen will die Koalition auch Aufbauhilfe leisten und stockte dafür ihre Mittel auf. Die Teilnehmerländer wollen mit rund 1,8 Milliarden Dollar Zivilisten in jenen Gebieten des Iraks unterstützen, die vom IS befreit wurden. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier kündigte eine deutsche Stabilisierungshilfe in Höhe von 160 Millionen Euro an. Für humanitäre Hilfsmaßnahmen und Stabilisierung im Irak leiste Deutschland mehr als jedes andere Land, hieß es seitens des Auswärtigen Amts. In diesem Jahr summierten sich diese Hilfen auf rund eine Milliarde Euro.