Vor Beginn des Nato-Gipfels in Warschau am kommenden Freitag bekräftigt Generalsekretär Jens Stoltenberg nochmals die nukleare Strategie des Verteidigungsbündnisses. Im Interview mit der ZEIT sagt er: "Unser Ziel ist eine Welt ohne Atomwaffen. Aber solange es Atomwaffen gibt, wird die Nato ein Nuklearbündnis bleiben."

Die Schwelle für den Einsatz nuklearer Waffen dürfe jedoch nicht sinken. "Für die Nato sind Umstände, in denen ein Einsatz von Atomwaffen in Betracht gezogen werden könnte, extrem unwahrscheinlich", so Stoltenberg. "Wir sollten unser Möglichstes tun, um sicherzustellen, dass dies so bleibt." 

Als Nato-Generalsekretär bereite ihm die weltweite Verbreitung von Atomwaffen Sorgen: "Ich mache mir auch Sorgen um die nukleare Sicherheit. Es besteht das Risiko, dass atomarer Abfall in die Hände terroristischer Gruppen gerät, dass nicht staatliche Akteure eine schmutzige Bombe bauen."

"Wir suchen keine Konfrontation mit Russland"

Stoltenberg verteidigt auch die Verstärkung der Militärpräsenz der Nato sowie deren Raketenabwehr in Osteuropa. Diese Maßnahmen seien defensiv und stünden in Übereinstimmung mit der Nato-Russland-Grundakte. "Wir suchen keine Konfrontation mit Russland. Wir wollen keinen Kalten Krieg", so Stoltenberg. Die Raketenabwehr sei eine langfristige Investition und richte sich nicht gegen Russland, sondern gegen potenzielle Angriffe "von außerhalb des euro-atlantischen Raumes".

Trotz dieser defensiven Haltung gegenüber Russland kehre die Nato aber zur Politik der Abschreckung zurück. "Ja, wir bewegen uns von der Rückversicherung zur Abschreckung", sagt Stoltenberg. Diese Entwicklung sei wichtig, um "jedem Gegner klar zu signalisieren, dass ein Angriff auf einen Alliierten ein Angriff auf die ganze Allianz wäre".