Was wir sicher wissen

  • Im Gegensatz zu militärischen Aufständen in der Vergangenheit war am Wochenende nicht die gesamte Militärführung an dem Putschversuch beteiligt. Wichtige Generäle verhielten sich loyal zur türkischen Regierung und sorgten mit dafür, dass der geplante Staatsstreich schnell scheiterte. So weigerte sich die wichtige, in Istanbul stationierte Erste Armee, den Putschisten zu folgen. Auch die Befehlshaber der Spezialeinheiten und die Polizei beteiligten sich nicht an dem Umsturzversuch.

  • Die Regierung hat mehr als 7.500 Personen festnehmen lassen, denen sie vorwirft, sich am Putsch beteiligt zu haben. Darunter sind Generäle, Admirale, Oberste und höchste Richter, Staatsanwälte, aber auch einfache Soldaten. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurden bis Montag mehr als 100 Generäle aus den Streitkräften festgenommen.
  • Die festgenommenen Generäle stammen vor allem aus der Luftwaffe, der Panzertruppe, der Marine und der Gendarmerie.
  • Das türkische Innenministerium suspendierte nach eigenen Angaben mehr als 8.700 Staatsbedienstete aus seinem Verantwortungsbereich, darunter rund 7.900 Polizisten.
  • Präsident Recep Tayyip Erdoğan macht den in den USA lebenden Fethullah Gülen verantwortlich. Er forderte in einer Rede US-Präsident Barack Obama auf, Gülen auszuliefern. Gülen bestreitet eine Verwicklung.
  • Am Freitagabend hatten Armeeeinheiten das Kriegsrecht ausgerufen und eine Ausgangssperre verhängt. Das Militär wolle "die verfassungsmäßige Ordnung, Demokratie, Menschenrechte und Freiheiten wiederherstellen", hieß es in einer im staatlichen Fernsehsender TRT verlesenen Erklärung. Im Land sollten wieder Rechtsstaatlichkeit und Ordnung gelten.
  • Die Putschisten hatten verschiedene Generäle und Kommandeure festgesetzt, unter ihnen den Chef des Generalstabs Hulusi Akar. Medien zufolge befreite das Militär Akar später in dem Truppenstützpunkt Akıncı nördlich von Ankara aus der Gewalt von Putschisten.
 

  • Soldaten griffen seit 1960 drei Mal ein, um islamische Regierungen abzusetzen. Ein viertes Mal drohten sie der Regierung und stellten ihr ein Ultimatum. Allerdings scheint der Einfluss des Militärs auf den türkischen Staat seit den neunziger Jahren abzunehmen.

Karte: Putschversuch in der Türkei

Wo geschah was in den entscheidenden Momenten?

Was wir nicht sicher wissen

  • Es lässt sich derzeit nicht genau sagen, welche Teile des Militärs am Putsch beteiligt waren. Die linke türkische Tageszeitung Evrensel hat eine Liste mit 34 Generälen veröffentlicht, die nach dem Putsch festgenommen worden sein sollen. Die Zeitung Hürriyet veröffentlichte ebenfalls eine solche Liste mit zum Teil anderen Namen. Auch die regierungsnahe Zeitung Akşam veröffentlichte eine Liste mit Namen verhafteter Militärangehöriger.

  • Übereinstimmend wird vor allem Akın Öztürk genannt. Der ehemalige General war bis 2015 Oberkommandeur der Luftstreitkräfte und anschließend noch Mitglied im Militärrat. Nach Angaben der Regierung in Ankara soll der ehemalige Luftwaffenchef "der formale Anführer der Junta" gewesen sein. In Medienberichten wird er als "Rädelsführer" bezeichnet.
 Auch Öztürk bestreitet, an dem Umsturzversuch beteiligt gewesen zu sein. Er behauptet, an der Niederschlagung des Putsches mitgewirkt zu haben. Der Nachrichtensender CNN verbreitete am Montag ein Foto, das Öztürk und andere Beschuldigte nach ihrer Festnahme zeigen soll. Öztürk und 26 weitere mutmaßliche Hintermänner des Putsches sollen am Montag in Ankara einem Gericht vorgeführt worden sein.
  • Der Kern der Putschistentruppe könnte sich aus Mitgliedern der Luftwaffe zusammengesetzt haben. Eine der Basen der Putschisten war der Luftwaffenstützpunkt Akıncı, nordwestlich von Ankara. Dort sind vor allem Ausbildungseinheiten und F-16-Jagdflugzeuge stationiert. Nach Akıncı brachten die Putschisten den Chef des türkischen Generalstabes, Hulusi Akar. Sie hatten ihn im Hauptquartier des Generalstabes in Ankara gefangen, nach Akıncı geflogen und hielten ihn dort fest. 

  • Eine weitere Basis scheint der Luftwaffenstützpunkt Diyarbakır in Anatolien gewesen zu sein. Von dort sollen die sechs F-16 der Putschisten gestartet sein, die über Istanbul und Ankara geflogen waren. Auf dem Stützpunkt wurden nach Angaben der Regierung anschließend ungefähr 100 Putschisten festgenommen.

  • Neben der Luftwaffe waren auch Teile des Heeres beteiligt. Der Kommandeur der Zweiten Armee, General Adem Huduti, und der Kommandeur der Dritten Armee, Generalleutnant Erdal Öztürk, gehören laut der türkischen Zeitung Sabah zu den Verschwörern, die anschließend festgenommen wurden. General Memduh Hakbilen, Stabschef des Ägäis-Kommandos, soll ebenfalls festgenommen worden sein. 


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