Immerhin: Es wird wieder geredet. Am kommenden Mittwoch wird zum zweiten Mal in diesem Jahr der Nato-Russland-Rat tagen. Kurz nach dem morgen beginnenden Nato-Gipfel in Warschau werden sich die Botschafter des Verteidigungsbündnisses unter anderem über die Lage in Afghanistan und Syrien austauschen – und über die Ukraine. Wegen des dortigen Konflikts hatte es zwei Jahre lang praktisch keine direkte Kommunikation zwischen den beiden Militärmächten gegeben. Diese ist aber unbedingt notwendig, allein schon wegen des Drohpotenzials, das auf beiden Seiten auch 25 Jahre nach dem Ende des Warschauer Paktes besteht (siehe Grafik). 

Die Rhetorik ist in letzter Zeit auf beiden Seiten schärfer geworden. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg spricht mittlerweile offen von einer Strategie der Abschreckung, in der explizit auch Atomwaffen eine Rolle spielen. Beim zweitägigen Gipfel in Warschau soll dazu gar ein Paradigmenwechsel verabschiedet werden: Künftig setzt das Bündnis auch offiziell auf Abschreckung. Ein klares Signal an Russland, das nicht unbedingt entspannende Wirkung haben dürfte. Russland verstärkt derweil weiter seine Truppen an den Grenzen und warnt davor, dass die Nato mit ihrem Verhalten die militärische Sicherheit in Europa gefährde.

Und dann sind da noch die baltischen Staaten. Trotz ihrer Nato-Mitgliedschaft fürchten sie aufgrund der geografischen Nähe zu Russland, dass Präsident Wladimir Putin das Vorgehen in der Ostukraine auch auf sie anwenden könnte. Eine Angst, die nachvollziehbar ist: Die Truppenstärke der Nato ist in der Region gering, zudem sind die Einsatzkräfte nach Einschätzung der US-Armee zu langsam. Die Nato-Übung Anakonda habe kürzlich gezeigt, dass die baltischen Staaten vor einem Angriff der russischen Streitkräfte nicht geschützt werden können.