Wird neuer Brexit-Minister unter Theresa May: David Davis. © Jack Taylor/Getty Images

Es kann als kluger Schachzug Mays gesehen werden, dass sie die Brexit-Verhandlungen aus dem Außenministerium auslagert. Den neu geschaffenen Posten des Brexit-Ministers wird der Abgeordnete David Davis übernehmen. Der 67-Jährige gilt als überzeugter EU-Gegner. Er hatte von 1994 bis 1997 als Staatssekretär für Europa-Fragen im Außenministerium gearbeitet. Damals hätten ihn die Kollegen als "charmanten Bastard" bezeichnet, sagte er kürzlich in einem Interview.

Davis gilt als Erzkonservativer, der sich auch mal mit der eigenen Partei anlegt, wenn sie seinen Überzeugungen zuwiderhandelt. Er ist gewohnt, seine Kämpfe zur Not allein auszufechten und unpopuläre Forderungen zu stellen. 2003 etwa befürwortete er als neu einberufener Schatten-Innenminister die Einführung der Todesstrafe. Im selben Jahr stimmte er gegen die Aufhebung der Section 28, die den Bezirksregierungen die Gleichstellung und Anerkennung von Homosexuellen verbietet. Als es dann, fünf Jahre später, zu einem innerparteilichen Streit um Sicherheitspolitik und Freiheitsrechte kam, verließ Davis das Schattenkabinett – ein in Großbritannien recht ungewöhnlicher Schritt.

Auf Davis wird jetzt die Aufgabe zukommen, eine Antwort auf die wichtigste Frage in den Verhandlungen zu finden: Wie kann Großbritannien den Zugang zum europäischen Binnenmarkt beibehalten und zugleich die Freizügigkeit von Arbeitnehmern aus den EU-Staaten einschränken.

Auf einer konservativen Internetseite hatte er Anfang der Woche einen Ausblick darauf gegeben, wie er sich die Verhandlungen vorstellt: "Sobald die europäischen Nationen verstehen, dass wir nicht von der Kontrolle unserer Grenzen abrücken, werden sie in ihrem eigenen Interesse verhandeln wollen." Großbritannien solle sich Zeit lassen, bis es den Antrag auf ein Ausscheiden aus der Union stelle. May will den förmlichen Austrittsantrag nicht vor Jahresende stellen, wenn die britische Verhandlungslinie festgezurrt ist. Die Scheidungsmodalitäten sollen dann binnen zwei Jahren stehen.